Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Hilferuf oder Stimmungsmache? Arztpraxis fordert Deutschkenntnisse von Patienten
Nachrichten Politik Deutschland / Welt

Hilferuf oder Stimmungsmache? Arztpraxis fordert Deutschkenntnisse von Patienten

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:36 12.05.2019
Der Aushang im Facharztzentrum Teuchern Quelle: Screenshot / Twitter
Teuchern

Manchmal reicht ein Stück Papier, um die Gemüter in der Flüchtlingsdebatte zu erregen. So geschehen in einer Arztpraxis in Sachsen-Anhalt: „Leider ist es uns nicht möglich, Patienten ohne jegliche Deutschkenntnisse oder ohne Begleitung eines Dolmetschers zu behandeln“, heißt es in einem Aushang einer Arztpraxis in Teuchern, der derzeit im Internet kursiert.

Außerdem steht dort, dem Personal fehle die Zeit, sich „stundenlang mit einem Patienten unklarer Herkunft und unbekannter Sprache unzureichend bis gar nicht zu verständigen“. Die Folge seien nämlich unzumutbare Wartezeiten für andere Patienten.

Praxis wehrt sich: Aushang ein „Hilferuf

Die „Magdeburger Volksstimme“ titelte daraufhin: „Ärzte weisen fremdsprachige Patienten zurück“. Der ärztliche Leiter des Facharztzentrums widerspricht – und wehrt sich gegen die Kritik: „Es gibt nicht einen Patienten, den wir nicht behandelt haben“, sagte Daniel Frommann der „Mitteldeutschen Zeitung“. Auch seien die Mitarbeiter der Einrichtung nicht ausländerfeindlich. Den Aushang will er als Hilferuf verstanden wissen.

Mehr dazu:
Flüchtlingskrise – Was Merkel alles falsch gemacht haben soll

Frommann berichtetet davon, dass es in den vergangenen drei Jahren wiederholt Verständigungsschwierigkeiten mit ausländischen Patienten gegeben habe. Die Praxis sei unter anderem auf Lungenkrankheiten spezialisiert. Wenn ein Arzt wegen Verständigungsproblemen nicht merke, dass ein Patient Tuberkulose habe, sei das sehr gefährlich.

Landrat nennt AushangStimmungsmache

In dem umstrittenen Aushang kritisiert die Arztpraxis auch die Politik. Kosten für Dolmetscher würden nicht mehr übernommen, heißt es dort. Dem widerspricht der Landrat des Burgenlandkreises. Dass jeder Ausländer immer von einem Dolmetscher begleitet werden könne, sei aber finanziell nicht mehr zu leisten, sagte Götz Ulrich (CDU) der „Mitteldeutschen Zeitung“. „Das Vorgehen der Praxis zeigt, dass es ihr nicht darum geht, ein Problem zu lösen, sondern eine möglichst große Aufmerksamkeit zu erzeugen.“

Den Aushang nennt der Landrat „Stimmungsmache“. Er meint aber auch, dass die Patienten selbst gefragt seien. So könnten etwa Familienmitglieder helfen, zu übersetzen.

Das Papier wurde übrigens inzwischen abgehängt.

Mehr lesen:
New York Times“ – Deutsche diskutieren über Flüchtlinge wie über Wölfe

Von pach/RND

Die CDU-Vorsitzende hält nichts von einem Abgang Angela Merkels vor 2021. Bei einem anderen Regierungsmitglied allerdings kann sich Kramp-Karrenbauer den Rücktritt sehr gut vorstellen.

12.05.2019

Erst jetzt wurde bekannt, dass am Samstag vor einer Woche ein Israeli bei einem palästinensischen Fest in Berlin Neukölln von einem wütenden Mob bedrängt und geschlagen worden ist. Von dem Vorfall gibt es sogar ein Video.

12.05.2019

Erst vor wenigen Monaten hatte Katarina Barley eine Nachbesserung bei der Mietpreisbremse durchgesetzt. Jetzt will die Justizministerin das Instrument schon wieder reformieren. Ob das mit dem Europawahlkampf zusammenhängt?

12.05.2019