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Deutschland / Welt Hochschulverband kritisiert KMK-Beschlüsse zu Bologna-Reform
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09:21 03.01.2010
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Die Beschlüsse der Kultusminister zur Reform des Bologna-Prozesses gehen nach Ansicht des Deutschen Hochschulverbands (DHV) nicht weit genug. Bei den Kernfragen hätten sich die Minister um eine klare Aussage gedrückt, sagte DHV-Präsident Bernhard Kempen. Auch der Bildungsgipfel der Regierungschefs habe „nur vage Versprechungen“ statt „handfester Finanzzusagen“ gebracht. Kempen forderte von der Politik eine „nationale Kraftanstrengung zugunsten von Bildung und Forschung“.

Kempen kritisierte vor allem, dass die Kultusministerkonferenz keine klare Entscheidung beim ungehinderten Zugang zum Master-Studium getroffen habe. Zudem dürften Akkreditierungsrat und -agenturen, die für die Zulassung der Bachelor- und Master-Studiengänge zuständig sind, „trotz offenkundigen Versagens weitermachen wie bisher“. Die Hochschulen seien allerdings selbst in der Lage, Studieninhalte festzulegen. Einige Hochschule zertifizieren bereits ihre neuen Studiengänge selbst.

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Das zweistufige Studiensystem aus Bachelor (BA) und Master (MA) ist Teil des sogenannten Bologna-Prozesses, mit dem seit 1999 bis 2010 europaweit vergleichbare Studienabschlüsse geschaffen werden sollen. Im November und Dezember hatte es in Deutschland massive Proteste gegen die Umsetzung der Reform gegeben.

Der Präsident der Berufsvertretung der Hochschullehrer kritisierte, dass zehn Jahre nach Beginn der „Jahrhundertreform“ bereits zwei Akademiker-Generationen verschlissen worden seien, ohne dass auch nur eines der Bologna-Ziele wie bessere Mobilität oder automatische Anerkennung von Studienleistungen erreicht worden sei. „Die Bologna-Reformen sind in Deutschland durch engste bürokratische Vorgaben seitens der Politik vermurkst worden. Die Hochschulen hatten angesichts dieses Korsetts keine andere Möglichkeit, als die Vorgaben umzusetzen.“ Inzwischen wisse jeder, dass massive Kurskorrekturen nötig seien, allerdings bestehe weiter Uneinigkeit über Ausmaß und Tempo der Änderungen.

Gegen Umstellung in Jura, Medizin und Theologie

Kempen sprach sich dafür aus, Jura, Medizin und Theologie erst einmal nicht auf gestufte Studienmodelle aus BA und MA umzustellen. Die Abbrecherquoten in den Staatsexamenfächern lägen deutlich unter denen der neuen Studiengänge, zudem gebe es „keine befriedigende Antwort“ auf die Frage, welche Betätigungsfelder sich dem Bachelor-Juristen oder -Mediziner eröffnen sollten.

Der Hochschulverband befürwortet zudem eine stärkere Rolle des Bundes in der Bildungspolitik. „Ohne eine nationale Kraftanstrengung zugunsten von Bildung und Forschung wird die vom Bundespräsident zu Recht in seiner Leipziger Rede angemahnte Prioritätensetzung misslingen“, sagte Kempen. „Deutschlands Zukunft und Innovationsfähigkeit stehen auf dem Spiel.“ Generell verlange das Ziel „Bildungsrepublik“ mehr Mut und Entschlossenheit.

apd

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