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Deutschland / Welt Hotel-Anschläge in Indonesien: Wer steckt dahinter?
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Hotel-Anschläge in Indonesien: Wer steckt dahinter?
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08:24 18.07.2009
Ein Land unter Schock.
Ein Land unter Schock. Quelle: afp
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Eine weitere Bombe im Mariott explodierte glücklicherweise nicht. Bei den nahezu gleichzeitig ausgeführten Attentaten wurden insgesamt zwölf Menschen getötet und rund 50 verletzt.

Der Verdacht fiel sofort auf den südostasiatischen Al-Qaida-Ableger Jemaah Islamiyah. Doch wenige Stunden nach dem Anschlag sorgte der vor zwei Wochen wiedergewählte Präsident Susilo Bambang Yudhoyono mit einem Auftritt für einen Paukenschlag: Er beschuldigte die bei den Wahlen unterlegenen Konkurrenten, mit dem Attentat das Land destabilisieren zu wollen.

SBY, wie der Präsident im Land heißt, nannte keine Namen. Aber er sagte: „Es war jemand, der Leute verschwinden ließ und nie vor Gericht gestellt wurde.“

Kenner sind überzeugt, dass der Präsident den früheren General Prabowo Subianto Djojohadikusumo beschuldigte. Er war bei den Präsidentschaftswahlen als Stellvertreter von Megawati Sukarnoputri angetreten. Das Duo landete abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Prabowo wurde 1998 aus den Streitkräften entlassen. Zuvor hatte er in mehreren Sondereinheiten der indonesischen Streitkräfte gedient und unter Diktator Suharto fasst alle die Militärs ausgebildet, die später wegen Menschenrechtsverstößen an den Pranger gerieten.

Bei Bombenexplosionen in zwei Luxushotels in der indonesischen Hauptstadt Jakarta sind am Freitag mindestens neun Menschen getötet worden.

Die Polizei fand sowohl im Marriott wie auch im Ritz Carlton jeweils eine Leiche mit abgerissenem Kopf. Sie hielt die Leichen für Überbleibsel von Selbstmordattentätern. „Das Vorgehen ist nahezu identisch mit dem Anschlag auf das Marriott-Hotel im Jahr 2003“, sagt Tommy Suryo Pratomo, Chefredakteur bei Metro TV. Damals machten die Behörden bald die islamistische Untergrundgruppe Jemaah Islamiyah für den Anschlag verantwortlich. Sie steckte auch hinter dem Bali-Bombenattentat, bei dem im Jahr 2002 über 200 Menschen starben. Die Gruppe gilt als Ableger von Osama bin Ladens Al Qaida und kämpft für einen einheitlichen islamischen Staat von Indonesien bis zu den Philippinen.

Inzwischen stellte sich heraus, dass es bei dem Attentat einen großen Unterschied zu früheren Anschlägen gab: Die Islamisten von Jemaah Islamiyah nutzten instabile Brandbomben. In den beiden Hotels aber explodierte hochexplosiver Sprengstoff. Die Anschuldigungen von Präsident Susilo sind noch nicht bewiesen. Aber dank seiner Verbindungen wäre es für Exgeneral Prabowo sicher ein Leichtes gewesen, den Sprengstoff zu beschaffen und die Sprengsätze in die Hotels zu schmuggeln.