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Deutschland / Welt Hupkonzerte und Freudenschreie hallen durch Tunis
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08:52 14.01.2011
Tunesiens Staatschef Zine el Abidine Ben Ali kündigt Zugeständnisse an. Quelle: dpa
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Im von blutigen Unruhen erschütterten Tunesien hat Präsident Zine el Abidine Ben Ali mit neuen Versprechungen Hoffnungen auf eine politische Wende im Land geweckt. Ben Ali kündigte unter anderem Preissenkungen an und stellte für 2014 das Ende seiner mittlerweile 23-jährigen Präsidentschaft in Aussicht. Nach Augenzeugenberichten gingen am Donnerstagabend in der Hauptstadt Tunis zahlreiche Menschen trotz des Ausgehverbots auf die Straße, um die Ankündigungen des 74-jährigen Staatsoberhaupts zu feiern.

Hupkonzerte und Freudenschreie hallten durch die Nacht. Die Sicherheitskräfte, die in den vergangenen Tagen oft brutal eingeschrittenen waren, blieben im Hintergrund.

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In seiner dritten Fernsehansprache innerhalb weniger Wochen hatte Ben Ali unter anderem die Verbilligung der Grundnahrungsmittel versprochen. Außerdem hatte er mehr Demokratie und die Aufhebung der Internetzensur angekündigt. Bereits kurz nach der Rede waren zuvor gesperrte Onlineseiten wie YouTube wieder erreichbar.

Die Proteste, die sich ursprünglich gegen die hohe Arbeitslosigkeit richteten, hatten zuletzt immer mehr auf das Regime Ben Alis gezielt, der das Mittelmeerland seit 1987 autoritär regiert. Nach Angaben von Menschenrechtlern kamen bisher mindestens 66 Menschen ums Leben. Viele wurden von Sicherheitskräften bei Demonstrationen erschossen.

Am Donnerstag war nach Berichten französischer Medien mit dem 60 Kilometer südlich von Tunis gelegenen Badeort Hammamet erstmals auch ein touristisches Zentrum von den Unruhen betroffen. Mehrere Läden seien geplündert und eine Polizeiwache zerstört worden, berichtete der Sender Europe1. Hotels seien aber nicht angegriffen worden.

Wegen der Unruhen hat das Auswärtige Amt in Berlin von Reisen in das nordafrikanische Urlaubsland abgeraten. Reiseveranstalter schätzen, dass sich etwa 10.000 deutsche Touristen in Tunesien aufhalten.

Reiseveranstalter bieten kostenlose Umbuchungen an

Wegen der anhaltenden Unruhen bieten die deutschen Reiseveranstalter Gästen kostenlose Umbuchungen an. Die Sicherheit gehe vor, bekräftigte der Sprecher des Deutschen Reiseverbandes, Torsten Schäfer, im Nachrichtensender MDR INFO. Die Veranstalter reagierten auf den neuen verschärften Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amtes. Der größte deutsche Veranstalter TUI, der Branchenzweite Thomas Cook und auch die Kölner Rewe Touristik hatten am Donnerstag erklärt, die Reisenden könnten zunächst bis zum Beginn der letzten Januar-Woche kostenlos umbuchen.

Schäfer empfahl den Kunden, die für die nächsten Tage einen Urlaub in Tunesien planten, sich direkt mit den Reiseveranstaltern oder den Reisebüros in Verbindung zu setzen. Auch für Reisende, die sich bereits in Tunesien aufhielten und vorzeitig abreisen wollten, bemühe man sich um eine Lösung. Die Betroffenen sollten sich vor Ort an den Veranstalter wenden. Die Lage vor Ort beschrieb Schäfer als „sehr entspannt. Die Urlauberhotels liegen weitab von den Auseinandersetzungsherden.“ Geplante Ausflüge zu Unruhe-Orten seien entweder anders gestaltet oder gestrichen worden.

dpa