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Deutschland / Welt IG-BCE-Chef Vassiliadis unterstützt "Stuttgart 21"
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12:10 13.10.2010
Von Alexander Dahl
„Industrie an sich muss eine Faszination auslösen“: IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis in Hannover. Quelle: Ralf Decker
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IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis kritisierte im Gespräch: „Es kann nicht sein, dass Großprojekte in diesem Land schon allein deshalb umstritten sind, weil es Großprojekte sind. Ich vermisse die Qualitätsdimension in der Debatte.“ Die Menschen in Deutschland sollten wieder loyal zu jener Fortschrittskultur stehen, die das Land seit 1945 ausgezeichnet und wirtschaftlich vorangebracht habe, sagte Vassiliadis, der rund 690.000 Mitgliedern vorsteht.

Der 46-Jährige hat seit Juli an einem Buch gearbeitet, das nun zur Frankfurter Buchmesse erschienen ist. Der Titel: „Für den Fortschritt“. Ein Manifest dafür solle es sein und eine Kritik daran, dass sich Deutschland derzeit zu sehr eingeigelt habe. Politik und Bürger ruft Vassiliadis darin auf, Technologie und industrielles Wachstum nicht „schnell mit ablehnenden Entscheidungen zu belegen“. Industrie an sich müsse eine Faszination auslösen, betonte er am Dienstag in Hannover, sie dürfe nicht immer nur murrende Zustimmung hervorrufen. „Immer wenn irgendwo etwas gebaut wird, gibt es Widerstand“, beklagte der Gewerkschaftschef und rief die Umweltverbände auf, nicht nur Protest zu organisieren, sondern auch aktiv nach Lösungen zu suchen. Dies wünscht er sich auch im Hinblick auf das geplatzte Atommüllendlager in Gorleben: „Der provisorische Zustand, wie wir ihn dort jetzt haben, ist problematischer, als wenn wir dort schon ein offizielles Endlager betreiben würden“, sagte er am Dienstag.

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Um Großproteste wie in Stuttgart künftig zu mildern, setzt Vassiliadis auf mehr Bürgerbeteiligung. Neue Foren müssten geschaffen werden, in denen Parlamente, Investoren und Bürger aufeinandertreffen könnten. Einspruchsmöglichkeiten aus „Gesinnungsgründen“ hingegen will der Gewerkschaftschef hingegen abschaffen: Die unmittelbare persönliche Betroffenheit müsse Maßstab für einen Einspruch werden.

Natürlich erwartet Vassiliadis auch eine gerechte Fortschrittsdividende für die Arbeitnehmer. Fortschritt dürfe nicht über Begriffe wie Kürzungen oder Einschnitte vermittelt werden; das Gros der Menschen in Deutschland müsse von ihm profitieren. Auch bei den kommenden Tarifverhandlungen will sich der IG-BCE-Vorsitzende davon leiten lassen: „Wir hatten eine Krise, da haben wir Krisen-Verträge abgeschlossen. Jetzt ist sie zu Ende, und deshalb werden auch Krise-zu-Ende-Verträge ausgehandelt.“