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Deutschland / Welt Im Iran freigelassene Reporter zurück in Deutschland
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16:50 20.02.2011
Zwei Reporter sind nach 133 Tagen Haft im Iran wieder zurück in der Heimat.
Zwei Reporter sind nach 133 Tagen Haft im Iran wieder zurück in der Heimat. Quelle: dpa
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Glückliches Ende nach mehr als vier Monaten Haft im Iran: Die beiden „Bild am Sonntag“-Reporter sind wieder zurück in Deutschland. Außenminister Guido Westerwelle holte die beiden Journalisten mit einer Sondermaschine der Bundesregierung in Teheran ab. Kurz vor Schluss gab es nochmals einen Nervenkrieg mit den iranischen Behörden. Erst nach einem Treffen des Außenministers mit Präsident Mahmud Ahmadinedschad war der Weg frei. Die iranischen Medien schlachteten den Westerwelle-Besuch propagandistisch aus, feierten die Visite als großen außenpolitischen Erfolg.

Die beiden „BamS“-Mitarbeiter Marcus Hellwig (45) und Jens Koch (29) waren am 10. Oktober festgenommen worden, als sie in der Provinzhauptstadt Täbris ohne offizielles Arbeitsvisum ein Interview führen wollten. Alle Versuche, sie aus der Haft zu bekommen, waren bis Samstag ohne Erfolg geblieben. Schließlich kamen sie gegen eine Geldbuße von umgerechnet jeweils 35.700 Euro frei. Außerdem musste sich der Axel Springer Verlag, bei dem die „BamS“ erscheint, entschuldigen.

Auf dem Flughafen Berlin-Tegel wurden die zwei Reporter am Sonntag kurz vor 05.00 Uhr morgens von ihren Angehörigen in Empfang genommen. Nach Angaben aus ihrer Umgebung sind sie geschwächt, aber wohlauf. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte: „Ich hoffe, sie erholen sich bald - körperlich wie seelisch - und können die schlimmen Erlebnisse der letzten Monaten überwinden.“ Die Gefangenschaft dauerte 133 Tage.

„Es war einer der bewegendsten Momente meines Lebens, als ich heute morgen um 05.00 Uhr meine Kollegen Marcus Hellwig und Jens Koch nach der Landung auf dem Flughafen Tegel in die Arme schließen konnte“, teilte „BamS“-Chefredakteur Walter Mayer mit. „Wir werden alles tun, um sie bei der Rückkehr in ihren Beruf und einen normalen Alltag zu unterstützen.“

Außenminister Westerwelle bedankte sich bei allen, die an der Lösung dieses „sehr komplizierten Falles“ mitgewirkt hätten. Ausdrücklich nannte er dabei den iranischen Außenminister Ali Akbar Salehi. In Teheran kam der FDP-Chef aber auch mit Präsident Ahmadineschad zusammen, der von vielen westlichen Politikern geschnitten wird. Die iranische Führung hatte ein solches Treffen kurzfristig zur Voraussetzung für eine Freilassung gemacht.

Das offizielle Teheran und die staatlichen iranischen Medien feierten den Besuch Westerwelles als großen außenpolitischen Erfolg. Vizeaußenminister Hassan Ghaschghawi sah darin gar eine Niederlage der Europäischen Union, deren Außenminister beschlossen hätten, den Iran nicht zu besuchen. „Aber die Reise von Westerwelle hat dieser Entscheidung quasi widersprochen“, sagte er. Nach offizieller Darstellung war die Westerwelle-Reise lange im Voraus geplant.

Das staatliche iranische Fernsehen interpretierte den Westerwelle-Besuch als einen Versuch Deutschlands, den Kontakt zum Iran zu intensivieren. Die Nachrichtenagentur Fars berichtete, dass Deutschland dem Dialog mit dem Iran nun „Schwung“ geben wolle. Bei der Agentur ISNA hieß es, die beiden freigelassenen Reporter seien nicht das Hauptthema gewesen, sondern Verhandlungen über internationale Themen und deren Fortsetzung in der Zukunft.

Der Iran steht wegen Menschenrechtsverletzungen und seines Atomprogramms international massiv in der Kritik. Der Westen verdächtigt das Land, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms an Atomwaffen zu bauen. Westerwelle war seit siebeneinhalb Jahren der erste deutsche Außenminister, der im Iran zu Besuch war. Auf seiner Pressekonferenz sprach er auch die Menschenrechte sowie die Demokratiebewegung in der arabischen Welt an. Nach der Rückkehr nach Berlin betonte er: „Mein Besuch diente einem klaren Anliegen. Es war kein Besuch, bei dem es große Verhandlungen gegeben hätte.“

Die beiden Journalisten waren im Oktober verhaftet worden, als sie den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani interviewen wollten. Die Frau war damals wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung verurteilt worden. Koch und Hellwig wurde vorgeworfen, Visa-Bestimmungen missachtet zu haben, weil sie nur mit einem Touristenvisum eingereist waren. Anfangs saßen sie in Einzelhaft, dann wurden sie zusammengelegt. Kurz nach Weihnachten gab es dann in Täbris ein Treffen mit Verwandten.

Gegen Zahlung der Geldbuße kamen Koch und Hellwig schließlich am Samstagmorgen frei. Die „BamS“ zitierte ihre Mitarbeiter mit den Worten: „Wir sind überglücklich, wir sind frei.“ Von deutschen Diplomaten wurden sie dann nach Teheran in die Botschaft gebracht. Zeitgleich machte sich Westerwelle mit einem Regierungsflugzeug auf den Weg. Bis kurz vor dem Abflug aus Teheran war jedoch noch unsicher, ob der Iran die Ausreise tatsächlich erlaubt. Die Geldbuße wird vom Springer-Verlag gezahlt.

Nach wie vor ungeklärt ist das Schicksal von zwei US-Bürgern, die bereits seit Juli 2009 im Iran inhaftiert sind. Die beiden Rucksacktouristen waren wegen illegaler Einreise im iranisch-irakischen Grenzgebiet festgenommen worden. Alle Versuche, sie freizubekommen, blieben bislang ohne Erfolg.

dpa

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