Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Immer weniger Gewerbeärzte für immer mehr Berufskranke zuständig
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Immer weniger Gewerbeärzte für immer mehr Berufskranke zuständig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:02 22.04.2019
Arbeiten mit Chemikalien, schweren Lasten oder unter der Einwirkung von Lärm und Staub können zu Berufskrankheiten führen. (Symbolbild) Quelle: dpa
Berlin

Trotz stark ansteigender Fallzahlen bei Berufskrankheiten ist die Zahl staatlicher Gewerbeärzte, die im Anerkennungsprozess eine wichtige Rolle spielen, in den vergangenen zehn Jahren massiv gesunken. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleinen Anfrage der Linken hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Gab es 2007 bundesweit noch 109 Gewerbeärzte, waren es 2017 nur noch 68. Das entspricht einem Rückgang um 38 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der angezeigten Berufskrankheiten um 23 Prozent gestiegen – von 61.150 um im Jahr 2007 auf 75.187 im Jahr 2017. Die Anerkennungsquote stieg von 22 auf 26 Prozent – etwa jeder vierte Antrag wird positiv beschieden.

Noch deutlicher fällt der Rückgang der Gewerbeärzte aus, wenn man den Zeitraum der vergangenen 20 Jahre betrachtet. Gab es 1997 bundesweit noch 158 Gewerbeärzte, so hat sich deren Zahl bis heute mehr als halbiert. Statistisch gesehen war jeder einzelne Gewerbearzt im Jahr 2017 für 588.000 Beschäftigte zuständig. 20 Jahre zuvor lag die Zahl der Beschäftigten pro Arzt noch bei 215.000.

Arbeitsmarktexpertin der Linkspartei spricht von „Staatsversagen

Erkrankte Arbeitnehmer, die eine Anerkennung ihrer Beschwerden als Berufskrankheit erreichen wollen, müssen einen mehrstufigen Begutachtungsprozess durchlaufen. Ein Facharzt untersucht Betroffene und erstellt ein Gutachten. Gewerbeärzte, in der Regel Beamte der Bundesländer, sind an dem Prozess beteiligt. Sie prüfen und beurteilen die medizinischen Gutachten.

„Wenn es um Berufskrankheiten geht, bluten die Kontrollbehörden seit Jahren aus“, kritisiert die Bundestagsabgeordnete Jutta Krellmann (Die Linke). „Das grenzt an vorsätzliches Staatsversagen“, so Krellmann weiter. Viele Betroffene fühlten sich vom Staat im Stich gelassen, was ein unhaltbarer Zustand sei, fügte Krellmann hinzu.

„Der Aderlass bei den Gewerbeärzten muss gestoppt werden, hier ist auch die Bundesregierung in der Pflicht“, forderte die Arbeitsmarktexpertin der Linkspartei. „Das Berufskrankheitenrecht braucht eine Frischzellenkur, um wieder Vertrauen herzustellen“, sagte Krellmann.

Lesen Sie auch: Die fünf am häufigsten anerkannten Berufskrankheiten

Von Tomma Petersen/RND

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die EU hat gerade erst ein Verbot für Einweg-Plastik beschlossen. Das reicht EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber aber nicht – er möchte ein globales Verbot erreichen. Zudem sind weitere Punkte aus seinem Wahlprogramm bekannt geworden.

22.04.2019

Noch etwa 20 US-Atomwaffen befinden sich nach Expertenschätzungen auf einem Fliegerhorst in Rheinland-Pfalz. Dass diese aus Deutschland abgezogen werden, dafür sprechen sich nach einer Umfrage die meisten Deutschen aus.

22.04.2019

Es war die erste Wahl, seitdem das kleine Balkanland Nordmazedonien heißt – und sie galt als Testwahl für die Regierung des Sozialdemokraten Zoran Zaev. Einen Sieger wird es aber erst nach der Stichwahl in zwei Wochen geben.

22.04.2019