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Deutschland / Welt In Deutschland gibt's jetzt Drogen auf Rezept
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22:38 17.05.2011
Von Dirk Schmaler
Deutschland legalisiert Cannabis ist als Inhaltsstoff von Schmerzmitteln, wie hier bei Dronabinol. Quelle: Christian Behrens
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Cannabis lindert Schmerzen, regt den Appetit an und hilft gegen Übelkeit. Ärzte fordern deshalb schon seit Jahren, die berauschenden Stoffe der Hanfpflanze zur Behandlung von chronisch Kranken einzusetzen. Doch Cannabis ist eben auch eine mitunter süchtig machende Droge, und als solche waren Konsum und Handel bisher verboten – auch für Schmerzpatienten. Ausgerechnet die schwarz-gelbe Bundesregierung hat sich nun per Gesetz darangemacht, die Hanfpflanze in Teilen vom Kiffer-Image zu befreien. Nach einer neuen rechtlichen Regelung dürfen ab Mittwoch an cannabishaltige Schmerzmittel in Deutschland zugelassen werden.

„Es liegt bereits ein Antrag für ein Medikament vor, und wir hoffen, es werden noch mehr kommen“, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, am Dienstag bei der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts. Viele Schwerkranke hätten jahrelang auf diese Medizin gewartet, weil sie dadurch eine zusätzliche Therapiemöglichkeit erhalten. Auch das Gesundheitsministerium lobt die neuen Chancen durch die Hanfprodukte. Spastische Schmerzen bei multipler Sklerose beispielsweise seien oft sehr gut mit Cannabis-Medikamenten behandelbar.

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Vor zwei Jahren noch wollten Union und Liberale von der positiven Wirkung von Cannabis nichts wissen. Die Kritiker warnten damals vor dem Suchtpotenzial. Letztlich ließ sich die Koalition jedoch von den positiven Effekten des Cannabis-Einsatzes unter strengen Auflagen überzeugen.
Die Liberalisierung des Betäubungsmittelrechts betrifft nicht allein Cannabis, sondern auch das aus Opium gewonnene Morphium. Heime und Hospize dürfen künftig auch sogenannte Notfallvorräte an Betäubungsmitteln anlegen, was ihnen bislang verboten war.

Hospize und Ärzte begrüßen die neue Option im Kampf gegen Schmerzen. „Alles, was zur Linderung der Schmerzen beiträgt, ist gut“, sagt etwa Hansjörg Hartmann vom Hospitz Luise in Hannover. Auch der Palliativmediziner Ingo Zander hat bereits gute Erfahrungen mit einem sehr teuren Ersatzstoff gemacht – vor allem bei Krebspatienten, die unter Appetitlosigkeit leiden. „30 Prozent derjenigen, die diese Medikamente ausprobieren, reagieren darauf positiv“, erklärt Zander. Allerdings sei Cannabis auch kein Wundermittel. „Die Nebenwirkungen sind stark, ähnlich wie beim Haschisch“, erklärt der Mediziner aus Hannover.

Die Gefahr des Missbrauchs der neuen Medizin sieht das Bundesgesundheitsministerium nicht. Ein Sprecher stellte am Dienstag noch einmal ausdrücklich klar: Die Regelung bezieht sich nur auf sogenannte Fertigarzneimittel, die vom Hersteller geliefert und gegen Rezept über den Ladentisch gehen. Für gewöhnliche Kiffer bleibt alles beim Alten: Handel und Besitz von Cannabis zum Drogenkonsum sind verboten.