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Deutschland / Welt In Niedersachsen sinkt seit 2005 das Armutsrisiko
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22:26 15.12.2009
Von Stefan Koch
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In den Jahren zuvor waren, grob gesagt, Jahr für Jahr in Niedersachsen, auch bundesweit, die Reichen reicher und die Armen ärmer geworden. Zwischen 2005 und 2008 sank jetzt jedoch die sogenannte Armutsrisikoquote um 0,4 Prozentpunkte. Die Reichtumsquote ging gemessen am Jahr 2005 ebenfalls leicht zurück.

Maßgeblich für die Statistik ist das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung. Dieses betrug in Niedersachsen im Jahr 2008 für Einpersonenhaushalte 1280 Euro. Menschen, die mit weniger als 60 Prozent dieses Betrags (768 Euro) auskommen müssen, gelten als armutsgefährdet. Umgekehrt gelten Menschen, die für sich allein mehr als Doppelte dieses Betrags zur Verfügung haben, als reich.

Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) sieht darin, dass die beiden Gruppen sich nicht mehr auseinanderentwickeln, einen „Anlass zur Hoffnung, aber keinen Grund sich auszuruhen“.

Der niedersächsische Landesvorsitzende des Sozialverbandes Deutschland, Adolf Bauer, warnte vor einem Nachlassen in der Bekämpfung der Armut im Lande: „Angesichts der Wirtschaftskrise ist für die Bilanz 2009 eine deutliche Verschlimmerung zu erwarten.“ Die Schere zwischen Arm und Reich bleibe weit geöffnet, betonte Bauer. „Noch immer ist jeder Siebente in Niedersachsen armutsgefährdet, bei den Kindern ist es sogar jedes Fünfte.“

Deutlich schwieriger als in Niedersachsen sieht die Lage im Osten Deutschlands aus. Dort lebt ein größerer Anteil der Bevölkerung an der Armutsgrenze als im Westen. Aber auch Bremen hat besonders viele von Armut bedrohte Einwohner. Wie aus den am Dienstag in Wiesbaden veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, ist die Armutsgefährdung sehr unterschiedlich. Bundesweit am höchsten ist das Armutsrisiko in Mecklenburg-Vorpommern (24 Prozent) gefolgt von Bremen (22,2 Prozent). In Baden-Württemberg und Bayern hatte dagegen nur ungefähr jeder zehnte Einwohner ein erhöhtes Armutsrisiko. Niedersachsen liegt mit 14,7 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt von 14,4 Prozent.

In Kreisen des Bundesarbeitsministeriums wurde am Dienstag die Untersuchungsmethode bemängelt. „Die Studie geht davon aus, dass der Euro in Frankfurt am Main genauso viel wert ist wie in ländlichen Gebieten in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist natürlich nicht der Fall“, sagte ein Experte des Ministeriums. Regionale Besonderheiten müssten künftig stärker berücksichtigt werden.