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Deutschland / Welt In Syrien eskaliert der Konflikt zwischen Regime und Demonstranten
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18:56 23.03.2011
Die syrischen Sicherheitskräfte behaupteten, in der Al-Omari-Moschee Geld, Bomben und Munition gefunden zu haben.
Die syrischen Sicherheitskräfte behaupteten, in der Al-Omari-Moschee Geld, Bomben und Munition gefunden zu haben. Quelle: dpa
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Der Konflikt zwischen der syrischen Führung und Regimegegnern eskaliert. Oppositionelle berichteten am Mittwoch, Angehörige der Sicherheitskräfte hätten in der Nacht die Al-Omari-Moschee in der Stadt Daraa gestürmt und 17 Demonstranten erschossen. Dutzende Menschen seien verletzt worden. „Das Regime hat hier ein Massaker an der Bevölkerung verübt“, sagte ein Augenzeuge.

Einwohner der Stadt berichteten arabischen TV-Sendern am Telefon, Daraa sei von den Sicherheitskräften abgeriegelt worden. Bei der Beerdigung der getöteten Demonstranten riefen einige Trauergäste: „Nein zu Iran, nein zur Hisbollah“. Der Iran und die libanesische Schiiten-Bewegung Hisbollah im Libanon sind die engsten Verbündeten des syrischen Präsident Baschar al-Assad.

Die syrische Regierung, die in den vergangenen Tagen mehrfach versucht hatte, lokale Journalisten einzuschüchtern, stellte die Ereignisse ganz anders dar. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, eine „bewaffnete Bande“ habe in der Moschee Waffen und Munition gelagert. Sie habe in Daraa auf einen Krankenwagen geschossen und einen Arzt, einen Sanitäter sowie den Fahrer getötet. Daraufhin seien die Sicherheitskräfte eingeschritten. Sie hätten mehrere der Angreifer verletzt und einige von ihnen festgenommen. Auch ein Sicherheitsbeamter sei während des Gefechts ums Leben gekommen.

Die Opposition erklärte dagegen, Angehörige einer Spezialeinheit hätten das Feuer auf eine Gruppe von rund 300 Menschen eröffnet, die sich in und um die Al-Omari-Moschee versammelt hatten. Auf einem Video, das von Aktivisten im Internet veröffentlicht wurde, ist zu erkennen, dass die Demonstranten mit Tränengas attackiert werden. Außerdem sind Schüsse aus automatischen Waffen zu hören und die Rufe einiger Demonstranten: „Ihr seid unsere Brüder, wie kann man denn seine Brüder töten.“

Ein Prediger der Moschee sagte dem Nachrichtensender Al-Arabija, die Staatsmacht gehe weiter mit aller Härte gegen die Demonstranten vor. Seit Dienstagabend seien elf Menschen in Daraa erschossen worden. Auch bei der Beerdigung der Opfer am Mittwoch seien Schüsse gefallen.

Die südlich von Damaskus gelegene Stadt Daraa war bereits in den vergangenen Tagen das Zentrum der Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad gewesen. Seit Beginn der Proteste vor gut einer Woche wurden dort insgesamt 17 Menschen getötet. Die Demonstranten fordern demokratische Reformen, Wahrung der Menschenrechte und Meinungsfreiheit. Die Staatsmacht reagierte auf die Proteste mit einer Welle von Verhaftungen. Die Europäische Union kritisierte das Vorgehen der syrischen Behörden.

Aus Oppositionskreisen hieß es, auch in der Stadt Aleppo sei es am Mittwoch zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Dabei habe die Polizei Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt. Die Oppositionellen betonten in ihren Erklärungen, Araber, Kurden, Christen und die Angehörigen der verschiedenen islamischen Religionsgemeinschaften müssten gemeinsam für Reformen kämpfen. Die Familie Assad gehört zur Minderheit der Alawiten. Die meisten syrischen Muslime sind Sunniten.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte den syrischen Staatschef nach eigenen Angaben bereits vor einiger Zeit gewarnt, dass auch in Syrien ein Konflikt mit Regierungsgegnern drohe. In einem Interview der Zeitung „Hürriyet“ sagte er: „Wir besprachen, dass so ein Prozess auch in Syrien beginnen könne und dass es besonders gefährlich ist, wenn es einen konfessionellen Ansatzpunkt gibt.“ Er habe deshalb Assad geraten, demokratische Reformen anzugehen und aus der Situation in anderen arabischen Staaten zu lernen.

dpa