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Deutschland / Welt In der Altenpflege fehlt der Nachwuchs
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07:56 16.02.2011
Examinierte Kräfte in der Altenpflege sind rar.
Examinierte Kräfte in der Altenpflege sind rar. Quelle: dpa
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Der Verband Deutscher Privatschulen (VDP) warnt vor einer drastischen Verschärfung des Fachkräftemangels in der Pflege. Eine Reform der Ausbildung und eine Vollfinanzierung der Umschüler sei zwingend, um dem steigenden Bedarf an professioneller Altenpflege gerecht zu werden, sagte der niedersächsische VDP-Vorsitzende, Andreas Schraknepper dieser Zeitung. „Die Bundesregierung muss endlich Gesetzesänderungen auf den Weg bringen, bevor das Interesse an dem Beruf noch weiter schwindet.“ Laut VDP ist die Zahl der Bewerberinnen für eine Altenpflegeausbildung stark rückläufig.

Schraknepper erwartet von der Zusammenlegung der bislang getrennten Altenpflege-, Kinderkranken- und Krankenpflegeausbildung eine deutliche Aufwertung des Berufs. „Die Altenpflege würde vom guten Ansehen der Krankenpflege profitieren.“ Konzepte für einen gemeinsamen Ausbildungsgang lägen seit Längerem vor. Dutzende Modellversuche seien in den vergangenen Jahren positiv verlaufen. Doch trotz guter Erfahrungen im bundesweiten Testlauf scheitere die Umsetzung, beklagt Schrakneper.

So auch in Niedersachsen, wo im vergangenen Jahr die freiwillige Kooperation einer Altenpflege- und einer Krankenpflegeschule kurz vor dem Start von der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft gestoppt wurde. „Wir brauchen eine Gesetzesänderung, die ein Umdenken erzwingt“, fordert der VDP-Vorsitzende. „Nicht morgen, sondern heute.“

Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat zwar nach dem ersten Pflege-Dialog im Dezember angekündigt, die Ausbildung in einem neuen Pflegeberufsgesetz gemeinsam mit Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) reformieren zu wollen, konkrete Gesetzespläne liegen aber noch nicht vor. Seit fast einem Jahr berät eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe über eine Neuordnung der Pflegeausbildung und der unterschiedlichen Finanzierungsregeln. Auch Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte kürzlich noch einmal bekräftigt, dass eine dreijährige Pflegeausbildung mit einem einheitlichen Berufsabschluss geplant sei, um den Beruf – „besonders auch für Männer“ – attraktiver zu gestalten.

Strittig ist zudem die Finanzierung der Umschulungen. Bis Ende vergangenen Jahres hatte die Bundesagentur für Arbeit alle drei Umschulungsjahre für Altenpflegeschülerinnen finanziert. Seit Kurzem werden nur noch in den ersten zwei Jahren das Schulgeld, die Fahrtkosten und Kosten der Kinderbetreuung übernommen. Mit einer Petition fordert der Verband der Privatschulen den Bundestag auf, die Kürzung rückgängig zu machen. „Allein mit der Erstausbildung werden wir den Bedarf an Fachkräften nicht decken können“, sagt Schraknepper. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat angekündigt, eine staatliche Beteiligung an der Weiterbildung prüfen zu wollen. Zugleich forderte sie die Pflegebranche auf, sich selbst mehr für die Ausbildung zu engagieren.

Gabi Stief

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