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Deutschland / Welt Internationale Erfahrung fehlt: Bund will Lehrer ins Ausland schicken
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Internationale Erfahrung fehlt: Bund will Lehrer ins Ausland schicken
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06:24 08.02.2019
Haben die deutschen Lehrer Auslandserfahrung im Studium gesammelt? Häufig gilt das noch nicht mal für diejenigen, die Fremdsprachen unterrichten. Quelle: Armin Weigel/dpa
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Berlin

Das Ortsausgangsschild nie gefunden – aber Kindern und Jugendlichen in der Schule erklären, wie die Welt funktioniert? Das soll nicht so sein.

Bislang sammeln angehende Lehrer im Studium im Vergleich zu anderen Fachrichtungen relativ wenig Erfahrung im Ausland. Deshalb startet der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) jetzt das Programm Lehramt International, das mit einer Laufzeit von vier Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird.

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„Weltoffenheit, Weltgewandtheit und Sprachfertigkeit vermitteln insbesondere Lehrerinnen und Lehrer gut, die selbst Erfahrungen im Ausland gesammelt haben“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Ein Semester oder Praktikum im Ausland sei eine „vielfältige Bereicherung“, fügte sie hinzu. Das gelte für die Studenten selbst, aber eben auch für deren spätere berufliche Praxis vor der Klasse.

Die ernüchternden Fakten

Die Zahlen sind eindeutig: Während durchschnittlich etwa 30 Prozent der deutschen Studenten für ein Praktikum oder ein Semester den Schritt ins Ausland wagen, sind es etwa bei angehenden Grund- und Hauptschullehrern nur 17 Prozent. Ernüchternd ist: Selbst jeder dritte angehende Englisch-, Französisch- und Spanischlehrer hat keinen relevanten Auslandsaufenthalt im Studium vorzuweisen.

Die Gründe sind – im negativen Sinn – bemerkenswert. DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel hat sie im Interview mit dem RND so beschrieben: „Die Auslandsaufenthalte sind im Curriculum meist nicht vorgesehen, die Studienprogramme lassen den Studenten auch praktisch kaum Raum dafür. Schlimmer noch: Wenn sie ins Ausland gehen, haben sie hinterher oft Schwierigkeiten, sich ihre Studienleistungen anerkennen zu lassen.“

Stipendien und Modellprojekte

Mit dem Programm Lehramt International wollen das Bildungsministerium und der DAAD jetzt gegensteuern. Die Mittel dafür sollen Stipendien für Lehramtsstudenten und –absolventen für Praktika an Schulen im Ausland sein – und eine Förderung von Modellprojekten an einzelnen Hochschulen, mit denen über besondere Kooperationen mit ausländischen Universitäten mehr Studenten ins Ausland gelockt werden sollen. Bis 2022 will der Bund insgesamt 23 Millionen Euro investieren.

Aus der Sicht von Bildungsministerium und DAAD können nicht nur diejenigen, die Fremdsprachen unterrichten, von der Auslandserfahrung profitieren – sondern alle Lehrer. Das gilt nicht zuletzt, da die Schülerschaft in den Klassenzimmern immer vielfältiger wird. Laut Mikrozensus haben 30 Prozent der Mädchen und Jungen in deutschen Schulen einen Migrationshintergrund, das heißt, mindestens ein Elternteil besitzt nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.

Deutschlands künftige Lehrer arbeiteten „in einer zunehmend globalisierten Welt und in internationalen Klassenzimmern“, sagte DAAD-Präsidentin Wintermantel dem RND. „Erfahrungen im Ausland und interkulturelle Kenntnisse helfen ihnen, gut zu unterrichten und eine höhere Sensibilität für den Unterricht mit einer vielfältigen Schülerschaft zu entwickeln“, fügte sie hinzu. Dies wolle der DAAD mit dem neuen Programm unterstützen.

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Von Tobias Peter/RND