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Deutschland / Welt Gemeinsam gegen Dschihadisten?
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00:16 19.06.2014
Kerry erklärte in einem Interview, es stehe außer Frage, dass von den Isis-Dschihadisten nicht nur eine Gefahr für Irak und Syrien ausgehe, sondern auch für Europa und die USA. Quelle: dpa
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Bagdad

Aufgeschreckt durch die militärischen Erfolge der radikalen Islamisten im Irak bemüht sich der Westen trotz aller Vorbehalte um die Hilfe Irans. US-Außenminister John Kerry kündigte am Montag an, die USA seien offen für Gespräche mit der Regierung in Teheran. Die britische Regierung teilte mit, bereits am Wochenende hätten die Außenminister beider Länder Möglichkeiten zur Unterstützung des irakischen Militärs erörtert. Kerry erklärte in einem Interview, es stehe außer Frage, dass von den Isis-Dschihadisten nicht nur eine Gefahr für Irak und Syrien ausgehe, sondern auch für Europa und die USA.

Ein Vertreter der US-Regierung sagte in Wien, bereits diese Woche könnten Unterhändler der USA und de Irans am Rande der Gespräche über das umstrittene iranische Atomprogramm die Irak-Frage erörtern. Dies käme einem Kurswechsel der US-Politik gleich, denn die USA haben seit der Geiselnahme ihrer Diplomaten in Teheran 1979 ein angespanntes Verhältnis zur Islamischen Republik. Sie verdächtigen das Land zudem, Atomwaffen zu entwickeln.

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Kerry schloss Luftangriffe gegen die Isis-Milizen nicht aus. Bereits am Wochenende liefen der Flugzeugträger „George H. W. Bush“ sowie zwei Kreuzer in den Persischen Golf ein. Gestern erreichte auch das Landungsschiff USS Mesa Verde mit 550 Marineinfanteristen an Bord die Gewässer vor der irakischen Küste. Im schiitischen Teil des Irak werden junge Männer dazu aufgerufen, ihr Land zu verteidigen. Hunderte haben sich freiwillig gemeldet. Beobachter gehen davon aus, dass iranische Revolutionsgardisten bei der Ausbildung der Freiwilligen helfen.

Die radikalen Islamisten im Irak gehören zur Glaubensgemeinschaft der Sunniten, die die schiitisch geprägte Regierung in Bagdad stürzen will. Zentrum der schiitischen Glaubensrichtung wiederum ist der Iran. Führende sunnitische Politiker im Irak sehen eine der Ursachen für den Erfolg der im syrischen Bürgerkrieg erstarkten sunnitischen Miliz Isis in der Unterdrückung der eigenen Bevölkerungsgruppe. „Was derzeit passiert, ist ein Aufstand der arabischen Sunniten im Irak gegen Unterdrückung und Marginalisierung“, sagte der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident Tarek al-Hashemi. Der Vorwurf richtet sich vor allem gegen Ministerpräsident Nuri al-Maliki, dem auch von ausländischen Politikern vorgehalten wird, Schiiten und damit seine eigene Glaubensgemeinschaft bei Staatsgeschäften zu bevorzugen. Militärisch erfolgreich war Isis bislang in den sunnitischen Gebieten. Die Gruppe will einen Staat errichten, in dem das orthodoxe islamische Recht gelten soll.

Ihren Vormarsch auf den schiitischen Süden mit der Hauptstadt Bagdad stoppte die Isis am Wochenende, um die Kräfte auf den Nordwesten zu konzentrieren. Dort brachten sie nach heftigen Kämpfen die 200 000-Einwohner-Stadt Tal Afar unter ihre Kontrolle. Nach Augenzeugen-Berichten soll es viele Tote gegeben haben.

Die Isis zugeschriebene Erbarmungslosigkeit hat auch in der Türkei massive Sorgen ausgelöst. 49 Staatsbürger, darunter Diplomaten und Sicherheitskräfte, wurden bei der Eroberung der nordirakischen Stadt Mossul vergangene Woche gefangen genommen.

Ziad Al-Sanjary 
und Lesley Wroughton

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