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Deutschland / Welt Journalistin wirft Rainer Brüderle Aufdringlichkeit vor
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Journalistin wirft Rainer Brüderle Aufdringlichkeit vor
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19:09 23.01.2013
Soll die FDP als Spitzemann in den Wahlkampf führen: Rainer Brüderle. Quelle: dpa
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Berlin

Es ist ein ungewöhnlicher Artikel, der in der neuen Ausgabe des Magazins "stern" abgedruckt ist – mit einer ebenso ungewöhnlichen Überschrift. Hinter dem Titel "Der Herrenwitz" verbirgt sich ein Stück, das Rainer Brüderle zumindest in Erklärungsnot bringen könnte. Die Reporterin Laura Himmelreich beschreibt darin ein Zusammentreffen mit dem FDP-Politiker im vergangenen Jahr kurz vor dem Stuttgarter Dreikönigstreffen der Liberalen. Am Abend vor der Politveranstaltung hatten sich Journalisten und Politiker in der Bar eines Stuttgarter Hotels getroffen. Durchaus nicht unüblich, pflegen Medien und Politik fernab von offiziellen Terminen auch einen persönlicheren Umgang. Doch das, was sich nach den Beschreibungen der 29-jährigen Himmelreich dann abspielt, geht weit darüber hinaus.

So soll Brüderle weniger an einem Austausch über Politik interessiert gewesen sein, er sprach statdessen über das Alter der Reporterin und machte anzügliche Bemerkungen. In ihrem Artikel beschreibt Laura Himmelreich die Situation wie folgt:

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Brüderles Blick wandert auf meinen Busen. "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen." Im Laufe unseres Gesprächs greift er nach meiner Hand und küsst sie. "Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen." "Herr Brüderle", sage ich, "Sie sind Politiker, ich bin Journalistin." "Politiker verfallen doch alle Journalistinnen", sagt er. Ich sage: "Ich finde es besser, wir halten das hier professionell." "Am Ende sind wir alle nur Menschen."

Die 29-jährige Himmelreich beschreibt auch, wie das Gespräch an der Stuttgarter Hotelbar zuende gegegangen ist:

Gegen ein Uhr nachts tippt ihm seine Sprecherin an die Schulter. Brüderle verabschiedet sich von den umstehenden Männern. Dann steuert er mit seinem Gesicht sehr nah auf mein Gesicht zu. Ich weiche einen Schritt zurück und halte meine Hände vor meinen Körper. Die Sprecherin eilt von hinten heran: "Herr Brüderle!", ruft sie streng. Sie führte ihn aus der Bar. Zu mir sagt sie:"Das tut mir leid." Zu ihm sagte sie: "Zeit fürs Bett."

Der "stern" stellt sich hinter seine Redakteurin. "Die Schilderung unserer Kollegin ist vor allem eines: ein Tabubruch", heißt es in dem Bericht. Lockere Treffen zwischen Medien und Politik seien nicht unüblich, hier sei der Grat jedoch überschritten worden. Brüderle selbst hat sich zu den Vorwürfen des "stern" bislang nicht geäußert.

frs