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Deutschland / Welt Jung verteidigt Einsatz gegen Taliban zur Tankerbefreiung
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13:03 05.09.2009
Bei dem Angriff der NATO-Truppe ISAF auf zwei von Taliban entführte Tanklastwagen starben nach Angaben der Bundeswehr mehr als 50 Menschen. Quelle: ddp (Archiv)

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat den von der Bundeswehr angeforderten Lufteinsatz in Afghanistan gegen mutmaßliche Taliban-Rebellen zur Befreiung entführter Tanklastwagen verteidigt. Die Taliban hätten gedroht „auch und gerade vor den Bundestagswahlen Anschläge auf die Bundeswehr“ zu verüben, sagte Jung am Freitagabend in der ARD-Nachrichtensendung Tagesschau. „Und deshalb war es eine sehr konkrete Gefahrenlage, wenn die Taliban in den Besitz von zwei Tanklastwagen gekommen sind, die hier erhebliche Gefahr für unsere Soldaten bedeutet haben.“

Bei dem Angriff der NATO-Truppe ISAF auf zwei von Taliban entführte Tanklastwagen in der nordafghanischen Provinz Kundus starben nach Angaben der Bundeswehr mehr als 50 Menschen. Die Provinzregierung sprach von bis zu 90 Opfern, unter denen sich auch Zivilisten befunden haben sollen, darunter Kinder, die aus den in der Sandbank eines Flusses festgefahrenen Lastern Benzin abzapfen wollten. Der Polizeichef der Regierung Kundus gab die Zahl der Toten mit 56 an und schloss zivile Opfer aus. In einer Erklärung der Taliban selbst hieß es jedoch, sie hätten keine Opfer zu beklagen. „Als die Flugzeuge kamen, wussten unsere Leute, dass das Gebiet bombardiert werden würde und flohen.“

Die Tanklaster waren laut Bundesverteidigungsministerium in der Nacht zum Freitag an einem fingierten Checkpoint gekapert worden. Nachdem sie sich in dem Flussbett festgefahren hätten, seien sie aus der Luft attackiert worden. Berichte, wonach Zivilisten getötet wurden, bestätige das Ministerium zunächst nicht.

Frankreich verurteilt Luftangriff in Afghanistan

In der Europäischen Union wird scharfe Kritik an dem von der Bundeswehr angeforderten Luftangriff in Afghanistan laut. Der französische Außenminister Bernard Kouchner nannte den Angriff am Sonnabend beim informellen EU-Außenministertreffen in der schwedischen Hauptstadt Stockholm einen „großen Fehler“. Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sprach von einer „Aktion, die nicht hätte stattfinden dürfen“.

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sprach in Stockholm von einer „Tragödie, die sofort untersucht werden muss“. Auch Länder wie Großbritannien und Italien pochen auf eine rasche Untersuchung, wie sie die NATO angekündigt hat. Der italienische Außenminister Franco Frattini sagte am Freitagabend in Stockholm, ein solcher Angriff dürfe sich nicht wiederholen. „Wir sind in Afghanistan, um die Sicherheit der Menschen zu garantieren, und nicht, um ihnen den Tod zu bringen“, sagte Frattini.

Die Strategie in Afghanistan war am Sonnabend zentrales Thema beim Treffen der EU-Außenminister. In einem internen Diskussionpapier räumt der schwedische EU-Ratsvorsitz Versäumnisse am Hindukusch ein. „Die mangelnde Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft - gepaart mit fehlender Motivation und Fähigkeiten auf afghanischer Seite - sind verantwortlich für die langsamen und unsteten Fortschritte beim Wiederaufbau Afghanistans“, heißt es darin.

Auch die Europäische Polizeimission EUPOL blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. Statt der geplanten 400 Polizeiausbilder sind bisher nach Diplomatenangaben nur 265 Kräfte vor Ort. Die Mitgliedsländer haben dem Vernehmen nach Probleme, Kandidaten zu finden, die bereit sind, in Afghanistan ihr Leben zu riskieren.

Afghanen trauern um Opfer nach NATO-Luftangriff in Kundus

Mit Trauerfeiern und Gebeten haben die Afghanen am Sonnabend der Opfer nach dem von der Bundeswehr angeforderten Luftangriff der NATO-Truppe ISAF auf zwei Tanklastwagen gedacht. In rund einem Dutzend Dörfer waren am Sonnabend Andachten für die am Tag zuvor in Kundus in Nordafghanistan getöteten und verletzten Menschen zu hören. Nach Angaben eines Regierungsbeamten reisten Delegationen des afghanischen Innen- und des Verteidigungsministeriums nach Kundus, um mit den Untersuchungen des Vorfalls zu beginnen.

afp

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