Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Jung will Einsatz am Hindukusch fortsetzen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Jung will Einsatz am Hindukusch fortsetzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:08 30.04.2009
Verteidigungsminister Franz Josef Jung Quelle: afp

Bei den jüngsten Anschlägen am Mittwoch sind ein Soldat getötet und insgesamt neun verwundet worden. Nach Einschätzung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) wollen die Taliban mit ihrem Vorgehen auch auf die deutsche Bevölkerung einwirken.

Zu den zwei Anschlägen vom Mittwoch, die sich beide im Abstand von nur wenigen Stunden nahe der nordafghanischen Stadt Kundus ereigneten, bekannten sich die radikal-islamischen Taliban. Sie stehen nach deren Bekunden im Zusammenhang mit dem Besuch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der am gleichen Tag zu politischen Gesprächen nach Kabul gekommen war. Der Anschlag sei „ein Zeichen für den deutschen Außenminister gewesen“, sagte ein Vertreter der Taliban.

Der erste Anschlag war am Mittwoch Vormittag gegen 11.00 Uhr Ortszeit südlich der nordafghanischen Provinzstadt Kundus erfolgt, als eine Patrouille des Regionalen Wiederaufbauteams mit sechs Fahrzeugen und 26 Soldaten von einem Selbstmordattentäter angegriffen wurde. Der Mann drängte sich mit seinem Fahrzeug in die Spitze der Kolonne und sprengte sich selbst in die Luft. Dabei wurden fünf Soldaten des Panzergrenadierbataillons 391 aus Bad Salzungen (Thüringen) verletzt, zwei von ihnen werden zur weiteren Behandlung nach Deutschland zurückgebracht.

Der zweite Anschlag ebenfalls nahe Kundus folgte nur wenige Stunden später. Dabei geriet eine Patrouille mit neun Fahrzeugen und 39 Soldaten am Abend um 18.53 Uhr Ortszeit in einen Hinterhalt, aus dem sie mit Handfeuerwaffen und Granaten beschossen wurde. Nachdem die Patrouille diese Sperre durchbrochen hatte, fuhr sie nur fünf Kilometer weiter in einen zweiten, massiven Hinterhalt und lieferte sich mit den Angreifern ein minutenlanges Feuergefecht. Ein 21-jähriger Hauptgefreiter starb, als sein Transportpanzer von einer Panzerfaust getroffen wurde. Der Soldat stammt vom Jägerbataillon 292 aus Donaueschingen (Baden-Württemberg) und soll voraussichtlich am Wochenende nach Deutschland gebracht werden.

Jung verurteilte die Anschläge und versicherte, das deutsche Engagement werde fortgesetzt. „Das sind wir auch unseren verwundeten und gefallenen Soldaten schuldig.“ Jung mahnte: „Wir haben es mit einem vernetzten und intelligenten Gegner zu tun.“ Der Anschlag mit dem doppelten Hinterhalt sei offensichtlich „von langer Hand geplant“ gewesen.

Laut Schneiderhan haben die Taliban ihr Vorgehen geändert. Das zeige der zweite Anschlag vom Mittwochabend, der mit der bisherigen Taktik „schießen und wegrennen“ nicht mehr zu vergleichen sei. Aus Bundeswehrkreisen war zu erfahren, dass aus dem Süden eingesickerte Taliban eine neue Art des Kampfes gegen die Deutschen organisieren wollten.

Auch für den Bundeswehrverband hat der zweite Anschlag von Kundus eine neue Qualität. „Das ist Kampf. Erstmals ist ein Soldat in einem direkten Feuergefecht gefallen“, sagte Verbandschef Ulrich Kirsch. In dieser Situation sei es für die Soldaten und ihre Familien von besonderer Bedeutung, dass die Politik und die Öffentlichkeit hinter ihnen stehen.

ddp

Trotz der Geheimhaltung des Besuchs von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Afghanistan muss nach den Erkenntnissen westlicher Geheimdienste sein Aufenthalt den Taliban am Hindukusch „fast minutiös“ bekannt gewesen sein.

30.04.2009

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist am zweiten Tag seiner Afghanistan-Reise am Donnerstagmorgen im Bundeswehr-Feldlager bei Masar-i-Scharif eingetroffen.

30.04.2009

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, hat sich gegen eine Aufhebung des Verbots eines Generalstreiks zur Durchsetzung politischer Ziele ausgesprochen.

30.04.2009