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Deutschland / Welt Kampf um Präsidentenposten: Weber bewahrt Ruhe, Timmermans mit Leidenschaft
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Kampf um Präsidentenposten: Weber bewahrt Ruhe, Timmermans mit Leidenschaft

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23:08 16.05.2019
Manfred Weber (rechts) und Frans Timmermans – beide wollen EU-Kommissionspräsident werden. Quelle: Getty Images
Berlin

Es war das zweite Aufeinandertreffen der Spitzenkandidaten der Konservativen und der Sozialdemokraten für die Europa-Wahl im deutschsprachigen Fernsehen. Doch was vom ZDF und dem österreichischen Sender ORF als ein TV-Duell beworben wurde, war ein relativ zahmer Schlagabtausch.

Der Niederbayer Manfred Weber und der Niederländer Frans Timmermans wollen beide Nachfolger von Jean-Claude Juncker als EU-Kommissionspräsident werden. Die Fernsehzuschauer erleben am Donnerstagabend zwei Politiker, die solide auftreten und in erstaunlich vielen Punkten einer Meinung sind. Europa müsse geeinter als bisher auftreten, um den Gefahren zu begegnen, die die Union bedrohen. Im Inneren sind das die Populisten und Nationalisten vom Schlage der Salvinis, Orbáns, Straches und Le Pens. Und von außen freuen sich Trump und Putin über jeden Spaltpilz, den sie in die EU treiben können.

Geht es nach dem Hobby-Gitarristen Weber, der seit fünf Jahren die Fraktion der Europäischen Volkspartei im Straßburger Parlament führt, dann muss das ein Ende haben. „Ich will nicht den Vorgaben aus Washington, Moskau oder Peking folgen“, sagt Weber und fordert: „Europa muss erwachsen werden.“ Geht es nach dem Springsteen-Fan Timmermans, der seit fünf Jahren der Erste Vizepräsident der EU-Kommission ist, dann braucht es natürlich ebenfalls mehr europäische Einigkeit.

„Der Mindestlohn in Deutschland? War es denn so schlimm, ihn einzuführen?“

Über den Weg zum Ziel gibt es allerdings Differenzen. Beim Klimaschutz will Weber auf eine CO2-Steuer verzichten, um Arbeitsplätze zu schützen. Er setzt stattdessen auf technische Innovationen. Timmermans dagegen sagt, das es am Ende die Ärmsten in der Gesellschaft sein werden, die den höchsten Preis bezahlen, wenn nicht bald entschieden gegen den Klimawandel vorgegangen werde – und zwar mit einer C02-Besteuerung und einer Abgabe auf Flugbenzin.

Unterschiedliche Wege wollen die Bewerber um den Top-Job in Europa auch in der Sozialpolitik gehen. Weber sagt, wenn er unterwegs sei, dann fragten ihn die jungen Leute nicht nach Mindestlöhnen, sondern nach Arbeitsplätzen. Timmermans, ein großer Befürworter von Mindestlöhnen, kontert mit der rhetorischen Frage: „Der Mindestlohn in Deutschland? War es denn so schlimm, ihn einzuführen?“

Dass die Atomkraft in Europa keine Zukunft hat – Einigkeit. Dass endlich Steuergerechtigkeit herrschen müsse –Einigkeit. Dass die Briten trotz Brexits bei der Europa-Wahl mitmachen – Einigkeit. Das sei nicht schön, sage Weber und Timmermans, aber rechtlich eben nicht zu beanstanden. Wer Mitglied der EU ist, der muss auch mitwählen.

Beide Kandidaten sind nett, vielleicht zu nett. Allerdings gibt es in Europa auch nicht die Tradition der TV-Duelle aus den US-Wahlkämpfen, in denen Kontrahenten verbal übereinander herfallen als befänden sie sich in einer Kampfbahn. Timmermans ist zweifelsohne der leidenschaftlichere Redner. Weber dagegen lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Klarnamen in Sozialen Medien? Kandidaten sind sich uneins

Auch der Versuch der Duell-Regie, die Kontrahenten am Ende eines jeden Themenblocks zu einer Ja- oder Nein-Antwort zu bewegen, um damit vielleicht überspitzte Aussagen zu provozieren, geht nicht ganz auf. Auf die Frage, ob Kurzstreckenflüge etwa von Stuttgart nach Frankfurt aus Klimaschutzgründen abgeschafft werden sollten, antworten beide zustimmend.

Eine Differenz ist dann aber doch noch zu vermerken. Ob Nutzer sozialer Medien verpflichtet werden sollten, ihre Klarnamen zu verwenden, fragen die Moderatoren. Weber sagt Ja, jeder solle auch im Internet sein Gesicht zeigen. Timmermans dagegen findet, das sei doch etwas übertrieben.

Die Debatte plätschert dahin. Erst am Ende gelingt ein Rausschmeißer, der die Zuschauer im Studio applaudieren lässt. Es geht um die nicht anwesende Margrethe Vestager, der in Brüssel gute Chancen eingeräumt werden, die beiden netten Herren im Rennen um den Chefsessel in der Europäischen Kommission zu überholen. Was spräche denn gegen eine Frau als Kommissionspräsidentin, lautet die Frage.

Webers Antwort ist etwas umständlich. Nichts spräche dagegen, sagt er. Aber Vestager habe ihre Kandidatur noch gar nicht erklärt, und außerdem werde er dafür sorgen, dass in der nächsten EU-Kommission mindestens die Hälfte der Posten mit Frauen besetzt werde.

Timmermans ist schlagfertiger. Er antwortet mit einem Grinsen auf dem Gesicht: „Nichts spricht gegen eine Frau. Aber man kann auch einen Feministen da hinsetzen. Mich.“

Von Damir Fras/RND

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