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Deutschland / Welt Karsai bittet ISAF um Vorsicht bei Offensive
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Karsai bittet ISAF um Vorsicht bei Offensive
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15:38 21.02.2010
Afghanistans Staatspräsident Hamid Karsai Quelle: dpa
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Eine Woche nach Beginn der Großoffensive gegen die radikal-islamischen Taliban in der südafghanischen Provinz Helmand hat Staatspräsident Hamid Karsai die internationalen Truppen erneut zur Vorsicht bei Militäroperationen aufgerufen. Karsai richtete am Sonnabend vor dem Parlament in Kabul einen eindringlichen Appell an die Soldaten der NATO-geführten Schutztruppe ISAF und der US-Koalition, Zivilisten nicht zu gefährden. Wenige Stunden später musste die ISAF einräumen, während der Operation „Muschtarak“ erneut einen Zivilisten getötet zu haben. Einsatzkräfte hätten den Mann versehentlich für einen Selbstmordattentäter gehalten, hieß es.

Karsai hatte die Soldaten bereits zu Beginn der Großoffensive aufgerufen, vorsichtig vorzugehen. Auch die Vereinten Nationen hatten an die Konfliktparteien appelliert, Unbeteiligte zu schützen. Nach Start der Offensive am vergangenen Sonnabend waren zwölf Zivilisten getötet worden, als eine Rakete das Haus einer Familie zerstörte.

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Die ISAF erklärte am Sonntag, die an „Muschtarak“ beteiligten Soldaten kämen „gut voran“. Zwar leisteten die Aufständischen vor allem um die Stadt Mardscha weiterhin heftigen Widerstand, die Operation sei jedoch auf dem „richtigen Weg“. Ein Sprecher der afghanischen Armee sagte, da die Region weiträumig abgeriegelt sei, könnte den Taliban bald die Munition ausgehen.

In bereits befreiten Gebieten bereiteten sich unterdessen afghanische Polizisten darauf vor, dauerhaft für Sicherheit zu sorgen. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wird es jedoch noch mindestens einen Monat dauern, bis die Region vollständig unter Regierungskontrolle ist.

Die Operation „Muschtarak“ („Gemeinsam“) gegen die Aufständischen in Helmand ist die bislang größte Offensive seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. Insgesamt sind daran 15.000 afghanische und ausländische Soldaten beteiligt. Mit der Operation sollen die Taliban aus zwei Distrikten in Helmand vertrieben werden.

Andernorts kamen am Wochenende zwei NATO-Soldaten ums Leben. Wie die ISAF am Sonntag mitteilte, starb ein Soldat bei einem Bombenanschlag im Süden. Ein weiterer wurde bei einem Feuergefecht mit Extremisten in Ostafghanistan erschossen. Bei zwei Bombenexplosionen im Land wurden zudem sechs Zivilisten getötet.

Unterdessen wurde in Brüssel bekannt, dass der ehemalige litauische Außenminister Vygaudas Usackas neuer EU-Sonderbeauftragter für Afghanistan werden soll. Die Außenminister der Europäischen Union würden bei ihrem Treffen an diesem Montag Usackas bestellen, erklärten EU-Diplomaten am Sonnabend in Brüssel. Die wichtigste Aufgabe des Sonderbeauftragten ist es, die EU-Hilfe für Afghanistan mit den Behörden des Landes und anderen Organisationen wie der NATO und den Vereinten Nationen zu koordinieren.

dpa