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Deutschland / Welt Kassenärzte bekommen eine Milliarde Euro mehr Honorar
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Kassenärzte bekommen eine Milliarde Euro mehr Honorar
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22:10 05.10.2010
Für die 150.000 niedergelassenen Kassenärzte in Deutschland gibt es ab 2011 mehr Geld. Quelle: dpa
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Für Deutschlands niedergelassene Ärzte gibt es erneut deutlich mehr Geld. Für die Vergütung ambulanter Leistungen stehen im kommenden Jahr rund 33 Milliarden Euro bereit – das ist ein Plus von einer Milliarde Euro. Die Krankenkassen hatten sich bis zuletzt gegen die Erhöhung gewehrt, sie wurden am Dienstag jedoch im zuständigen Gremium von den Ärztevertretern mithilfe des Schlichters überstimmt.

Für die Verhandlungen hatte Gesundheitsminister Philipp Rösler eine konkrete Vorgabe gemacht: Für den der zunehmenden Alterung der Gesellschaft geschuldeten Anstieg der Behandlungsfälle sollten die rund 150.000 Kassenärzte 175 Millionen Euro mehr Honorar erhalten. Die Mediziner forderten darüber hinaus einen Zuschlag für die Kollegen in jenen Bundesländern, die bei der letzten Honorarrunde weniger gut abgeschnitten hatten, das galt insbesondere für Bayern und Baden-Württemberg. Dafür stehen nun noch einmal 500 Millionen Euro zur Verfügung.

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„Das ist unglaublich“, sagte Jörg Niemann, Leiter der Landesvertretung der Ersatzkassen in Niedersachsen. „Erst werden Beitragserhöhungen beschlossen, um dann weiter Geschenke an Leistungserbringer zu verteilen.“ Wegen des sich abzeichnenden Defizits in der gesetzlichen Krankenversicherung hatte Schwarz-Gelb den Beitragssatz von 14,9 auf 15,5 Prozent erhöht und Kliniken und Kassen Sparrunden verordnet. Letztere hielten deshalb bei den Arztpraxen eine Nullrunde für angebracht – die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wollte hingegen einen Aufschlag von zwei Milliarden Euro durchsetzen. Durch die Beitragserhöhung komme mehr Geld ins System, hatte KBV-Chef Andreas Köhler argumentiert: „Da kann es nicht sein, dass die Kassen diese Mittel zurückhalten wollen.“ Angesichts der schwierigen Umstände spiegele der Schlichterspruch aber „das maximal erreichbare Ergebnis wider“.

Niedersachsens Praxen sehen sich dennoch benachteiligt. Mit einem Plus von 17,4 Prozent waren sie die Gewinner der Honorarrunde im vergangenen Jahr – nun müssen sie sich auf eine geringere Zuwachsrate einstellen. „Wir hätten uns gewünscht, jetzt in gleichem Maße zu profitieren wie die anderen“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, Eberhard Gramsch. Mit dem außerordentlichen Zuwachs von 2009 habe man lediglich den Nachholbedarf gegenüber den süddeutschen Kollegen aus den Vorjahren ausgleichen können. Eine solche Betrachtungsweise finden die Betriebskrankenkassen „haarsträubend“. Das Honorar der Ärzte sei im vergangenen Jahrzehnt dreimal so stark gestiegen wie die Löhne, sagte Klemens Pawisa, Vize-Vorstandschef des BKK-Landesverbandes Mitte. Die Kassen rechnen in Niedersachsen 2011 mit Mehrausgaben von mindestens 70 Millionen Euro.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Jens Heitmann / dapd