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Deutschland / Welt Kauder fordert mehr Schutz für Christen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Kauder fordert mehr Schutz für Christen
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18:32 12.02.2012
Von Stefan Koch
CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder. Quelle: dpa
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New York

Auf ungewöhnlicher Mission ist Volker Kauder heute in New York unterwegs. Der Chef der CDU/CSU-Fraktion trifft sich mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, um sich für einen besseren Schutz von Christen einzusetzen. "Weltweit betrachtet sind Christen die am stärksten verfolgte Religionsgemeinschaft", sagte Kauder am Sonntag der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Es sei höchste Zeit, dass die internationale Staatengemeinschaft die Religionsfreiheit stärker in den Blick nehme. Gegenüber Ban Ki Moon will der Christdemokrat, der als einer der engsten Vertrauten von Kanzlerin Angela Merkel gilt, eine Resolution der Vereinten Nationen anregen, die die Bedeutung der Gewissens- und Glaubensfreiheit betont.

Die jüngsten Übergriffe in Nigeria zeigten einmal mehr, wie gefährlich für Christen das Bekenntnis zu ihrer Religion sein kann. Nach Kauders Einschätzung hat sich ihre Alltagssituation auch in vielen anderen Ländern dramatisch verschlechtert. So sei die Glaubensfreiheit in insgesamt 64 Staaten stark eingeschränkt. Ein drastisches Beispiel sei der Irak. Noch vor 20 Jahren lebten zwischen Euphrat und Tigris etwa 1,4 Millionen Menschen christlichen Glaubens. Heute seien es weniger als 200 000. Bedrückend sei auch die Entwicklung in der Türkei: Vor 60 Jahren habe der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung dort etwa bei 20 Prozent gelegen. Heute sei ihr Anteil auf unter ein Prozent gesunken. "Es gibt einen steigenden Exodus von Christen aus ihrer Heimat", sagt Kauder. Das zeige sich nicht zuletzt in Ägypten. Über mehrere Jahre hinweg habe es in Nordafrika Übergriffe gegen diese Minderheiten gegeben. Vor genau einem Jahr eskalierte die Situation vollends: Unbekannte verübten einen blutigen Anschlag auf einen Gottesdienst der koptisch-orthodoxen Kirche in Alexandria. Wenige Tage nach dem Attentat machte sich Kauder direkt vor Ort ein Bild von der Lage.

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Sein Einsatz für verfolgte Christen kommt nicht von ungefähr. Der langjährige Abgeordnete gilt als strenggläubiger Evangelikaler, der vom baden-württembergischen Pietismus geprägt ist. Der 62-Jährige will daher auch weiterhin auf Auslandsreisen, wie etwa in Indien oder Indonesien, die Situation der Christen thematisieren. "Wir können leider nicht damit rechnen, dass sich nach solchen Gesprächen sofort etwas ändert. Dennoch: Steter Tropfen höhlt den Stein." Wenn immer wieder an das Thema erinnert werde, wachse auch das Bewusstsein für dieses Problem: "Letztlich steigt die Hemmschwelle, Christen schlecht zu behandeln."

Begleitet wird Kauder von Michael Grosse-Brömer. Der Chef der niedersächsischen CDU-Landesgruppe im Bundestag will sich bei Ban Ki Moon auch für einen weiteren Versuch einsetzen, eine Resolution zugunsten der syrischen Freiheitsbewegung zu erwirken.