Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Koalition sagt Ausschuss ab
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Koalition sagt Ausschuss ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:20 17.02.2014
 Die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer (r) und der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel. Quelle: dpa/Archiv
Anzeige
Berlin

Die Koalitionskrise zwischen Union und SPD wegen des Falles Sebastian Edathy verschärft sich. Der für diesen Dienstag geplante erste Koalitionsausschuss im Kanzleramt ist abgesagt worden. Stattdessen werden sich nur die drei Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD in Berlin treffen und wohl vor allem den Fall Edathy besprechen. Dies sagte CSU-Chef Horst Seehofer am Montag in München, auch SPD-Kreise bestätigten das. Unterdessen wurde bekannt, dass der Parlamentarische Staatssekretär im Entwicklungsministerium, Christian Schmidt (CSU), neuer Bundeslandwirtschaftsminister werden soll. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Montag aus Koalitionskreisen. Schmidt folgt auf den im Zuge der Edathy-Affäre zurückgetretenen Hans-Peter Friedrich (CSU).

Schmidts Posten als Staatssekretär soll den Angaben zufolge der Bamberger Abgeordnete Thomas Silberhorn (CSU) übernehmen. Bei der für den Montagnachmittag angesetzten Pressekonferenz in der SPD-Zentrale wird nicht wie geplant SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi, sondern SPD-Chef Sigmar Gabriel selbst auftreten, um sich den Fragen zu stellen. Besonders in der CSU werden Konsequenzen auch bei der SPD gefordert, ins Visier ist besonders SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann geraten. Er hatte mit seiner Erklärung, wer wann etwas von möglichen Ermittlungen gegen den langjährigen Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy erfahren hatte, die jüngsten Verwerfungen ausgelöst.

Anzeige

Er hätte als Fraktionschef auch am Koalitionsausschuss teilgenommen. Seehofer machte auf Nachfrage deutlich, dass er die Koalition an sich nicht in Gefahr sehe. "Es geht um die vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Koalition und nicht um das Zerbrechen der Koalition." Der CSU-Chef betonte aber, bisher habe die SPD viele offene Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet. Es gehe darum, wer in der SPD wann über den Fall Edathy Bescheid gewusst habe, wer was an wen weitergegeben und was der Anruf des damaligen SPD-Fraktionsgeschäftsführers Oppermann beim BKA-Präsidenten zu bedeuten habe. Es sei schon "ein kleines Schneeballsystem, das da stattgefunden hat", sagte Seehofer. Rücktrittsforderungen an die Adresse Oppermanns oder anderer SPD-Politiker vermied er.

Er verwies zum einen auf die Runde der drei Parteivorsitzenden - neben ihm selbst die CDU-Chefin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, und der SPD-Vorsitzende Gabriel - zum anderen müsse die SPD in den Gremien des Bundestages für Aufklärung sorgen. Oppermann hatte öffentlich gemacht, dass der damalige Innenminister Friedrich SPD-Chef Gabriel im Oktober erzählt hatte, dass Edathys Name im Rahmen von Ermittlungen aufgetaucht sei - der damalige Innenminister Friedrich hatte auf Gabriels Vertraulichkeit vertraut. Gabriel aber weihte noch den damaligen Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Oppermann ein. Ziel war es, zu verhindern, dass der profilierte Innenpolitiker Edathy in der großen Koalition einen wichtigen Posten bekommt.

Inzwischen ist klar, dass es in dem Fall um Ermittlungen wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie geht - fraglich ist, ob strafbare Handlungen vorliegen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) warf Oppermann vor, vertrauliche Absprachen zum Fall Edathy öffentlich gemacht zu haben. "Da ist von Oppermann Vertrauen in der Koalition niedergetrampelt worden. Das kann nicht ohne Aufarbeitung bleiben", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung.

Mehr zum Thema

Die Affäre um Sebastian Edathy hat die schwarz-rote Koalition am Wochenende in ihre erste große Krise geführt – und sie wird wohl auch die Agenda der kommenden Woche prägen.

20.02.2014
Niedersachsen Staatsanwaltschaft in der Kritik - Von Fall zu Fall

Ermittlungen in Hannover, Rücktritte in Berlin: Die Verfahren gegen Wulff und Edathy haben etwas gemein – die Staatsanwaltschaft in Hannover sieht nicht gut aus.

Klaus Wallbaum 16.02.2014

Videos, Fotos, Downloads: Die Staatsanwaltschaft Hannover hat erstmals konkret zu den Vorwürfen gegen Sebastian Edathy Stellung bezogen. Es gehe um Material, das sich  „im Grenzbereich“ zur Kinderpornografie befinde. Der SPD-Politiker ahnte wohl schon im November, dass er Ärger bekommen könnte.

Klaus Wallbaum 14.02.2014
Deutschland / Welt Neuer Agrarminister - Schmidt übernimmt
17.02.2014
Deutschland / Welt SPD-Politiker unter Verdacht - Edathys Sicht der Dinge
16.02.2014