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Deutschland / Welt Köhler mahnt zur Friedenswacht
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17:28 15.11.2009
Kranzniederlegungen und Schweigeminuten in ganz Deutschland ist am Volkstrauertag Quelle: ddp
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Köhler mahnte die nachfolgende Generation zu einer „Versöhnung über Gräber hinweg“ anzuhalten. Zugleich rief er zu einem stärkeren Einsatz für den Frieden weltweit auf - auch in Afghanistan. Zuvor hatten in der Neuen Wache im Herzen Berlins am Nachmittag Vertreter aller Verfassungsorgane Gedenkkränze niedergelegt und in einer Schweigeminute verharrt.

Der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Reinhard Führer, erinnerte auf der zentralen Gedenkstunde im Bundestag an die Aufgabe seines Verbandes, der im 90. Jahr seines Bestehens heute in 45 Ländern 830 Kriegsgräberstätten mit über zwei Millionen Toten pflege. Jedes Jahr kämen rund 40 000 Gefallene dazu, teilweise noch aus dem Ersten Weltkrieg. „Es ist unsere Pflicht, ihnen allen einen würdigen Ort der Ruhe zu geben“, sagte Führer und betonte, heute sei in Russland, Polen oder Frankreich ein gemeinsames Gedenken einst verfeindeter Nationen möglich.

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Ausdrücklich würdigte der Bundespräsident den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Erst vor wenigen Wochen habe der Volksbund in Kursk in Russland einen Soldatenfriedhof auf einem der größten Schlachtfelder des Zweiten Weltkrieges unter großer Anteilnahme von Angehörigen, Veteranen und Enkeln eingeweiht. „Wer diese Versöhnung über den Gräbern miterlebt, der versteht auch im Herzen, wie grausam der Krieg ist und wie groß und kostbar das europäische Friedenswerk.“ So werde Frieden zum Herzensanliegen und aus dem Gedenken ein Auftrag für die Gegenwart und die Zukunft.

Zugleich appellierte Köhler, dem Totengedenken einen stärkeren Einsatz für Frieden folgen zu lassen. „Wenn der Zusammenklang von friedlichem Aufbau, gegenseitigem Vertrauen und generationenübergreifendem Engagement überall auf der Welt gelingt, dann hat die Menschheit die Chance, den Teufelskreis immer neuer Kriege und bewaffneter Konflikte endlich zu durchbrechen“, sagte er.

Die Aufgabe, den Frieden zu gewinnen, gelte auch und gerade für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan, machte Köhler deutlich. Die Soldaten und Polizisten, die zivilen Mitarbeiter und Aufbauhelfer bräuchten dafür Rückhalt in der Heimat. Die Deutschen sollten und müssten sich „Klarheit darüber verschaffen, was die Ziele des Einsatzes sind, was auf dem Spiel steht und mit welchem Beitrag wir den anderen Nationen und den Menschen in Not zur Seite stehen wollen“.

Vor der zentralen Gedenkstunde hatten Vertreter aller Verfassungsorgane an der Neuen Wache in Berlin Kränze zum Gedenken aller Toten niedergelegt. Neben Köhler nahmen daran Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt (CSU), Bundesratspräsident Jens Böhrnsen (SPD), Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Bundesverfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier teil.

Im Bendlerblock, dem Berliner Sitz des Verteidigungsministeriums, erinnerte Guttenberg an die im Dienst ums Leben gekommenen Bundeswehrsoldaten. „Wir dürfen unsere Toten nicht vergessen. Sie mahnen uns Lebende, dass Sicherheit und Freiheit nicht selbstverständlich sind“, sagte Guttenberg am neuen Bundeswehr-Ehrenmal. Abweichend von allen bisherigen Traditionen nannte der neue Minister namentlich jene neun Soldaten, die in den vergangenen zwölf Monaten ihr Leben gelassen haben, darunter sechs in Afghanistan Gefallene.

ddp