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Deutschland / Welt Die Bodenoffensive rückt näher
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Die Bodenoffensive rückt näher
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00:23 16.07.2014
Foto: Israelische Truppen an der Grenze zum Gazastreifen.
Israelische Truppen an der Grenze zum Gazastreifen. Quelle: dpa
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Tel Aviv/Gaza

Im Gazakonflikt haben sich Israel und die Hamas am Wochenende die bislang schwersten Angriffe seit Beginn der Eskalation vor fast einer Woche geliefert. Die Islamisten feuerten vom Gazastreifen aus in einer koordinierten Aktion Raketen auf die Wirtschaftsmetropole Tel Aviv und den wichtigsten Flughafen Israels in Tel Aviv ab. Hunderttausende Israelis suchten Schutz, während Bewohner von Gaza-Stadt den Angriff feierten und auf Dächern „Gott ist groß“ riefen.

Als Reaktion auf die Angriffe nahmen die Streitkräfte des jüdischen Staates das Haus des Polizeichefs von Gaza, Taisir al-Batsch, ins Visier. Allein bei diesem Angriff kamen 18 Mitglieder seiner Familie ums Leben, wie aus Kreisen der Hamas verlautete. Al-Batsch selbst habe mit schweren Verletzungen überlebt. Zudem wurden nach offiziellen Angaben der Palästinenser gestern eine Frau und ein dreijähriges Mädchen getötet. Dem Gesundheitsministeriums zufolge kamen innerhalb von sechs Tagen mindestens 160 Palästinenser ums Leben, darunter etwa 135 Zivilisten.

Mit einem Raketenangriff auf Tel Aviv durch Palästinenser und Dutzenden israelischen Luftangriffen ist der Gaza-Konflikt am Dienstag weiter eskaliert. Die israelische Luftwaffe flog innerhalb von 24 Stunden mehr als 90 Angriffe auf Ziele der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen.

Israel setzte nach eigenen Angaben erstmals auch Kommandosoldaten am Boden gegen die Islamisten ein, um den Abschuss von Raketen zu verhindern. Bei einer Aktion im Norden des Gazastreifens seien vier Elitesoldaten der Marine verletzt worden, erklärte ein Sprecher der Streitkräfte. Sie hätten aber ihren Auftrag erfüllt. Die Hamas dagegen erklärte, sie habe den Angriff zurückschlagen können. In der Gegend bereitet Israel offensichtlich eine größere Militäraktion vor. Auf Flugblättern wurde die Bevölkerung in mehreren Stadtteilen von Beit Lahija aufgefordert, sich weiter südlich in Sicherheit zu bringen. Tausende folgten der Aufforderung und suchten etwa in Schulen in Gaza-Stadt Zuflucht, die von den Vereinten Nationen betrieben werden. Das palästinensische Innenministerium sprach von „psychologischer Kriegsführung“ und forderte die Bewohner zur Rückkehr beziehungsweise zum Verbleib in der Stadt auf. Menschenrechtsgruppen und Israel beklagten häufig eine Strategie der Islamisten, Bewohner als menschliche Schutzschilde einzusetzen.

Die israelische Armee hat die Vorbereitungen für eine Bodenoffensive abgeschlossen und bis zu 40 000 Reservisten mobilisiert. Die meisten der bislang mehr als 1000 Angriffe erfolgten aber aus der Luft. Nach israelischer Darstellung wurden dabei etwa Raketenabschussrampen und -fabriken sowie Schmugglertunnel und Kommandozentren der Hamas ins Visier genommen. Die Organisation hat seit Beginn der Eskalation nach israelischen Angaben mehr als 800 Raketen auf den jüdischen Staat abgefeuert. Getötet wurde dabei niemand.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier wird heute und morgen zur Vermittlung im Nahen Osten erwartet. Die Arabische Liga berief für heute eine Dringlichkeitssitzung in Kairo ein. Der UN-Sicherheitsrat in New York kommt erneut zu einer Sondersitzung zusammen.

Thomas Seythal