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Deutschland / Welt Ihr Rückzug aus „Aufstehen“ wird Wagenknecht schwächen
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13:54 10.03.2019
Sahra Wagenknecht bei einer „Aufstehen“-Kundgebung vorm Brandenburger Tor. Quelle: Christoph Soeder/dpa
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Berlin

Nein, dass Sahra Wagenknecht aus der Spitze von „Aufstehen“ aussteigt, ist keine Überraschung. Schon Ende November hatte sie dies angekündigt. In der Spitze der Linken hatte man den Rückzug seit Monaten erwartet.

Tatsächlich ist der Ausstieg auch gar kein Ausstieg, weil Wagenknecht in den Trägerverein der selbst ernannten „Sammlungsbewegung“ nie wirklich eingestiegen ist. Im Grunde kommt es vielmehr genauso, wie es alle Kundigen erwartet hatten.

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Wagenknecht sucht die Schuld bei anderen

Die Vorsitzende der Linksfraktion begründet den Rückzug mit Arbeitsüberlastung – und schiebt die Schuld überdies SPD und Grünen zu. Sie hätten sich eingemauert.

In Wahrheit verhalten sich die Dinge anders. Oberflächlich betrachtet, war „Aufstehen“ der Versuch, in populistischer Manier Linke und Rechte gleichermaßen anzusprechen – und deshalb zum Scheitern verurteilt. Während die Bewegung von 170.000 Anmeldungen sprach, brachte sie bei Demonstrationen jeweils nur ein paar hundert Menschen auf die Straße. Zu der „unteilbar“-Demo aus dem rot-grünen Spektrum für ein weltoffenes Deutschland kamen im Herbst hingegen über 240.000 Frauen und Männer. „Unteilbar“ hat „Aufstehen“ unter sich begraben.

Für Wagenknecht war „Aufstehen“ nur Mittel zum Zweck

Im Kern war „Aufstehen“ ohnehin bloß Mittel zum Zweck. Wagenknecht wollte die Linke gefügig machen. Und sie wollte mal gucken, ob man „Aufstehen“ zur Partei und damit zur Erbin der Linken aufpumpen kann. Als Wagenknecht sah, dass beides nicht klappte, verlor sie die Lust.

Genutzt hat der 49-Jährigen das Manöver nicht. Die Reste von „Aufstehen“ werden ohne sie als Gallionsfigur implodieren. Sie werden sich auch so fühlen – wie Reste. Denn sie sehen ja, dass Wagenknecht zu Anhängern ein letztlich instrumentelles Verhältnis hat. Ihre Gegner in der Linken sehen, dass Wagenknecht nicht über Wasser laufen kann. Das werden sie sich merken.

Von Markus Decker/RND