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Deutschland / Welt Dürfen Sozis Hummer essen?
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12:48 21.01.2019
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach – ein rheinisches Original. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa; Montage: RND
Berlin

Es geschah am 17. Januar um 22.05 Uhr. Da schoss der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ein Selfie aus dem Kaufhaus des Westens und schickte es via Twitter in die Welt hinaus. Im Vordergrund sah man den 55-Jährigen, im Hintergrund Ärzte-Funktionäre mit Tellern und Weingläsern. Lauterbach versah das Foto mit den Worten: „Mit den Ärztefunktionären von KV (Kassenärztlicher Vereinigung) und Ärztekammer mit (Jens) Spahn beim traditionellen Neujahrsempfang im KaDeWe. Es wird viel über ,Golf’ geredet. Hummer wird serviert. Auf meinen Vorschlag, den Hummer à la Ribéry mit Goldblattbelag zu reichen, reagierte man aber ,reserviert‘.“

Lauterbach hatte erkennbar Freude sowohl an der Veranstaltung als auch an dem Tweet. Nur ging Letzterer nach hinten los. Denn was folgte, war eine Debatte nach dem Motto: Dürfen Sozis Hummer essen? Von ungefähr kommt das nicht.

Erstens ist Twitter das Medium der Aufregung. Nichts, was hier nicht falsch verstanden und entsprechend heimgezahlt würde. So schrieb ein User: „Dekadent Hummer-Essen gehen und sich über Ribéry lustig machen. Kein Wunder, dass Ihre Bekämpfung der zwei Klassen Medizin nichts wird. Sie haben doch den Sinn für Arm und Reich längst verloren.“ Ein anderer wollte wissen, ob an dem Abend auch Kokain konsumiert worden sei. Da half auch Lauterbachs am Montag nachgereichte Erklärung nichts, dass er „nie“ Hummer esse.

Schriftliche Ironie funktioniert fast nie

Zweitens funktioniert das mit der schriftlichen Ironie sowieso selten. Am besten, man schreibt immer „Achtung, Ironie!“ dazu – wobei Ironie, die man etikettieren muss, keine mehr ist. Die lebt ja von dem stillen Einverständnis zwischen Sender und Empfänger. Dass sie in diesem Fall nicht funktioniert, hat zudem einen handfesten Grund. Denn Lauterbach macht sich zwar über die Veranstaltung lustig, der er da beiwohnt. Aber er wohnt ihr eben bei. Der Tweet, der wie eine Distanzierung wirken soll, ist daher keine. Und warum sollte ausgerechnet ein im Luxus schwelgender Sozialdemokrat heutzutage mehr Kredit bekommen als ein im Luxus schwelgender Fußball-Millionario, der einen geharnischten Shitstorm erntete?

Wo Lauterbach ist, da ist Heiterkeit

Dass Lauterbach am selbst gefertigten Hummer-Pranger steht, hat schließlich auch mit ihm selbst zu tun. Der schlanke Abgeordnete hat schon ohne Twitter allerlei an sich, was zur Karikatur einlädt: die Fliege, den stark rheinischen Akzent, den schlaksigen Gang, das Professorale, das Gerhard Schröder im Fall des Steuerexperten Paul Kirchhof ebenfalls zum Spott einlud („Der Professor aus Heidelberg“). So hat ein Fraktionskollege seine Mailbox sehr launig von der eigenen Tochter besprechen lassen. Die wiederum hat sehr launig ihren Aufsager mit Lauterbach’schen Originaltönen versehen.

Wo Karl Lauterbach ist, da sind Heiterkeit und gute Laune also oft nicht weit. Was wir uns für 2019 wünschen: Mehr davon!

Von Markus Decker/RND

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