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Deutschland / Welt Senkt das Wahlalter jetzt – oder schafft es gleich ganz ab!
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16:38 02.03.2019
Nicht nur Schüler sind bei „Fridays for Future“ dabei: Bei der Schülerdemonstration für mehr Klimaschutz in Düsseldorf nahm auch Jonne (3) teil. Quelle: dpa
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Kommentar

Dass die Jugend in Deutschland sich nicht um Politik schert, haben Studien längst widerlegt.

Sie bescheinigen den Zwölf- bis 25-Jährigen seit Jahren ein stetig wachsendes Interesse an politischen Themen – und auch steigende Aktivität, etwa durch ihr Kaufverhalten, Petitionen und Teilnahme an Demonstrationen. Nur mit den Parteien wollen die meisten nichts zu tun haben.

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Die aktuellen Schülerproteste für mehr Klimaschutz illustrieren den inneren Zusammenhang dieser Befunde: Tausende Jugendliche protestieren Woche für Woche in ganz Europa genau dagegen, dass Regierungen und Parteien zu wenig gegen den Klimawandel tun.

Hinter Barleys Lob steckt mehr

Insofern ist es nicht nur Anerkennung, wenn Justizministerin Katarina Barley sich davon so beeindruckt gibt, dass sie das Wahlalter auch im Bund auf 16 Jahre senken würde, um sie einzubinden. Man kann das auch als Versuch begreifen, die Aktivisten wieder für klassische Parteien zu gewinnen.

Dennoch ist an Barleys Forderung nichts auszusetzen. Im Gegenteil: In mehreren Bundesländern dürfen 16-Jährige schon wählen, was das Interesse an Wahlen und die jungen Stimmen in die Demokratie steigert, ohne Schaden anzurichten. Eine Ausweitung auf den Bund ist also überfällig.

Warum kein „Wahlrecht ab Geburt“?

Angesichts der Altersentwicklung in Deutschland, wo immer mehr Senioren immer weniger Jungen gegenüberstehen, droht die Politik, den Blick zu sehr auf die Versorgung der übermächtigen Alten zu richten und Weichenstellungen für die Zukunft aufzuschieben.

Kinderrechtler fordern deshalb sogar ein Wahlalter von 14 Jahren. Auch das sollte man erwägen. Die Ergebnisse bei Schüler-Testwahlen sprechen nicht dagegen. Radikaler als manch bestehender, überalterter Wahlkreis votiert die Jugend nicht.

Man könnte sogar noch einen Schritt weitergehen und das „Wahlrecht ab Geburt“ einführen – in den ersten Jahren übertragen auf die Eltern. Damit kinder- und familenfreundliche Politik rein zahlenmäßig auch in Zukunft überhaupt noch Chancen hat.

Von Steven Geyer/RND