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Deutschland / Welt Kubaner dürfen die Insel verlassen
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10:18 17.10.2012
Foto: Kuba öffnet seine Grenzen. Die Bürger der kommunistisch regierten Insel dürfen ab Januar 2013 ausreisen.
Kuba öffnet seine Grenzen. Die Bürger der kommunistisch regierten Insel dürfen ab Januar 2013 ausreisen. Quelle: dpa
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Havanna

Revolutionäre Neuerungen kommen manchmal überraschend. Die früheren DDR-Bürger erfuhren von ihrer plötzlichen Reisefreiheit eher aus Versehen. Es war die Frage eines italienischen Journalisten nach dem neuen Reisegesetz auf einer ansonsten einschläfernden Pressekonferenz, die Politbüromitlgied Günter Schabowski am 9. November 1989 die bahnbrechende Entscheidung entlockte: Jeder DDR-Bürger erhalte unverzüglich die Möglichkeit, aus der DDR auszureisen.

Reisefreiheit dürften auch viele Kubaner lange herbeigesehnt haben. Die Bewohner der karibischen Insel leben nur einen Steinwurf von Florida entfernt, und doch ist der US-Sonnenstaat bislang für die meisten kaum erreichbar. Das soll sich nun ändern. Die kubanische Regierung gewährt ihren Bürgern überraschend ab dem kommenden Jahr völlige Reisefreiheit.


Die Staatsmedien meldeten am Dienstag, dass ab dem 14. Januar alle bürokratischen Hürden zum Verlassen des Landes beseitigt würden. Dieser Schritt sei Teil der „Modernisierung” der Migrationsgesetzgebung. Die Parteizeitung „Granma“ schreibt, die neuen Maßnahmen sollen die „Errungenschaften der Revolution“ stärken.

Bisher müssen die Kubaner einen teuren und langwierigen Hürdenlauf machen, um an die begehrte Ausreisegenehmigung zu kommen. Wer die Insel vorübergehend verlassen will, muss eine Erlaubnis beantragen, die so genannte „Weiße Karte“. Diese Ausreisegenehmigung kostet umgerechnet 150 Dollar und wird überdies oft verweigert, vor allem Oppositionellen, Dissidenten und Menschen, bei denen die Regierung fürchtet, sie könnten der Insel für immer den Rücken kehren. Ab dem kommenden Jahr müssen die Menschen lediglich einen gültigen Reisepass und das Visum des Ziellands vorlegen. Zudem dürfen die Kubaner jetzt volle zwei Jahre statt bisher lediglich elf Monate im Ausland bleiben, ohne ihre Papiere zu erneuern.

Zeichen einer leichten Liberalisierung sind seit einigen Jahren zu beobachten, etwa die Erlaubnis, Häuser und Autos zu kaufen, Privateigentum zu vererben und kleine private Geschäfte zu betreiben. Die Aufhebung der Reisefreiheit ist die einschneidendste Reform, sie könnte das System Kuba ins Wanken bringen.

Klaus Ehringfeld