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Deutschland / Welt Künast fordert Ende der Massentierhaltung
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20:12 22.01.2011
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte vor den Demonstranten ein Ende der Massentierhaltung. Quelle: dpa
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Regierungen aus 50 Ländern haben in Berlin exzessiven Spekulationen und Preisschwankungen auf den Agrarmärkten den Kampf angesagt. Sie sehen darin eine Bedrohung für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung. Am Rande der Grünen Woche in Berlin appellierten sie an die G20-Staaten, gegen Missbrauch und Manipulation von Preisen vorzugehen.

Die EU kündigte unterdessen Schritte gegen den Absturz der Schweinefleischpreise an, den der Dioxinskandal in Deutschland ausgelöst hatte. Währenddessen demonstrierten in Berlin Tausende Menschen für eine radikale Wende in der Agrarpolitik.

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Unter dem Motto „Wir haben es satt!“ forderten die Demonstranten gentechnikfreie, gesunde und fair produzierte Lebensmittel, eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft in Europa und eine tiergerechte und klimaschonende Landwirtschaft auf der ganzen Welt. Die Veranstalter sprachen von 22 000 Teilnehmern, andere Beobachter gingen von der Hälfte aus. „Bauer bleiben, nicht Knecht der Agrarindustrie“, hieß es auf einem Transparent auf einem der zahlreichen Traktoren.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte vor den Demonstranten ein Ende der Massentierhaltung. Der Vorsitzende des Umweltorganisation BUND, Hubert Weiger, drohte: „Wir kommen wieder nach Berlin, mit doppelt so vielen Leuten, wenn die Politik nicht endlich handelt.“

Nach offiziellen Schätzungen wächst die Weltbevölkerung von derzeit 6,9 Milliarden Menschen bis 2050 auf 9,1 Milliarden. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) warnte vor Hungerrevolten in ärmeren Ländern. „Die Ausschreitungen in Algerien und Tunesien haben ihren Grund auch in den steigenden Lebensmittelpreisen“, sagte Aigner der Nachrichtenagentur dpa.

„Wir müssen diese Preisvolatilität bekämpfen“, sagte der französische Agrarminister Bruno Le Maire mit Blick auf die weiteren Verhandlungen der Ressortchefs der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwelleländer (G20). „Ich hoffe, dass wir bis Ende dieses Jahres konkrete Lösungen zu dieser Frage finden.“

Am Gipfel nahmen Vertreter wichtiger Agrarländer wie Russland, Frankreich und Spanien teil, aber auch von Entwicklungsländer wie Kenia und Malawi. Die USA waren nicht dabei. Im Abschlusskommuniqué bekennen sie sich auch zum dem Ziel, die Nahrungsmittelproduktion zu steigern und zu verbessern. Aigner sagte: „Die weltweite Produktion muss um rund 70 Prozent gesteigert werden, damit die Ernährung gesichert werden kann.“

Zuvor hatte bereits EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos Schritte gegen Spekulationen mit Agrarrohstoffen angekündigt. „Die Kommission ist der Meinung, dass man so vorgehen muss wie Michel Barnier es für Finanztransaktionen vorgeschlagen hat.“ Binnenmarktkommissar Barnier hatte eine Steuer und härtere Strafen für Finanzdelikte angekündigt.

Nach dem Dioxinskandal will die Europäische Union das Schweinefleischangeobt in der Gemeinschaft verknappen, um den Preis zu stabilisieren. „Wir müssen versuchen, einen Preissturz zu verhindern“, sagte Ciolos. Er schlug vor, dass die Bauern ihr Fleisch vorübergehend auf EU-Kosten einlagern und es erst verkaufen, wenn der Preis sich erholt hat.

Der Preis für deutsches Schweinefleisch war nach dem Fund von Dioxin in Futtermittel um ein Viertel gesunken. China hat die Einfuhr gestoppt. Russland schließt ein komplettes Importverbot nicht aus.

dpa