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Deutschland / Welt Lafontaine will nicht gegen Bartsch antreten
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Lafontaine will nicht gegen Bartsch antreten
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15:27 15.05.2012
Der frühere Vorsitzende Oskar Lafontaine schließt eine Kampfkandidatur um den Parteivorsitz bei den Linken aus. (Archiv) Quelle: dpa
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Berlin

Der frühere Linke-Chef Oskar Lafontaine hat eine Kampfkandidatur um die Parteiführung gegen den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch ausgeschlossen. „Das wäre nicht unbedingt der krönende Abschluss meiner Karriere“, sagte der 68-Jährige am Dienstag vor einer Spitzenrunde zur Klärung des innerparteilichen Führungsstreits in Berlin. Es blieb dennoch offen, wie der Machtkampf in der Partei ausgeht.

Im Ringen um den Parteivorsitz gibt es nun drei Möglichkeiten. Entweder Lafontaine verzichtet auf eine Kandidatur und überlässt das Feld Bartsch, der seinen Hut bereits vor einem halben Jahr in den Ring geworfen hatte. Oder Bartsch ordnet sich in einer neuen Parteiführung Lafontaine unter und wird beispielsweise Bundesgeschäftsführer. Am Montag hatte Bartsch das allerdings ausgeschlossen. Als dritte Option bliebe übrig, dass beide verzichten und ein anderer Kandidat gesucht wird. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi winkte für diesen Fall schon ab.

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Für die letzte Option plädierte die stellvertretende Vorsitzende Katja Kipping. Wer die Partei „bewusst in eine Showdown-Situation führt“, schade ihr, sagte sie vor einer Sitzung. „Beide (Bartsch und Lafontaine) müssen sich auf eine Lösung verständigen.“

Andere prominente Linke sahen in einer Kampfabstimmung dagegen kein Problem, darunter der derzeitige Parteichef Klaus Ernst. „Das ist Demokratie“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Zugleich bekräftigte er seine Unterstützung für Lafontaine. „Die Kapitänsbinde sollte an den erfolgreichsten Spieler gehen. Lafontaine steht für gesamtdeutschen Wahlerfolg unserer Partei.“

Ernst will seinen Posten zugunsten Lafontaines räumen, hält sich aber als möglicher Ersatzmann weiterhin bereit. Die Linke wählt am 2. und 3. Juni in Göttingen den kompletten Vorstand neu, der von zwei Vorsitzenden - einem Mann und einer Frau - angeführt werden soll. Nach dem Rücktritt der bisherigen Vorsitzenden Gesine Lötzsch aus familiären Gründen hat bisher noch keine Frau ihre Kandidatur für die Nachfolge erklärt.

An der Spitzenrunde im Berliner Karl-Liebknecht-Haus mit dem geschäftsführenden Bundesvorstand und den Linke-Landeschefs nahmen am Dienstag sowohl Bartsch als auch Lafontaine teil. Der saarländische Fraktionschef Lafontaine hatte am Montag seine Bereitschaft erklärt, zwei Jahre nach seinem Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen an die Parteispitze zurückzukehren. Voraussetzung dafür sei, dass sich eine Mehrheit für diese Lösung abzeichne und man zu einer kooperativen Führung kommen könne.

Zuvor hatte es Berichte gegeben, Lafontaine wolle ganz konkrete Bedingungen stellen - unter anderem die Beförderung seiner Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht zur Fraktionschefin im Bundestag. Das wurde aber noch am Montagabend dementiert. Wagenknecht warb für die Kandidatur Lafontaines. „Oskar Lafontaine drängt sich nicht darum, an die Spitze zu kommen“, sagte sie im ZDF-„Morgenmagazin“. „Aber in der jetzigen, ganz schwierigen Situation sehe ich ehrlich gesagt auch keine andere Lösung.“

Gegenwind erhält Lafontaine vor allem aus den ostdeutschen Landesverbänden. Der Sprecher der Landesgruppe Sachsen der Linken im Bundestag, Michael Leutert, sagte der „Freien Presse“ in Chemnitz, er glaube nicht, „dass man die Partei mit altem Personal und alten Rezepten wieder auf volle Höhe bekommt“.

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gysi, lehnte eine Übernahme des Parteivorsitzes ab. „Das findet nicht statt“, sagte er der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Mittwoch). „Was ich mache, reicht mir. Mehr muss nicht sein.“ Thüringens Linke-Landesvorsitzender Knut Korschewsky hatte Gysi ins Gespräch gebracht für den Fall, dass es im Streit zwischen Lafontaine und Bartsch keine konstruktive Lösung gibt.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.