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Deutschland / Welt „Landtagsschloss“: Potsdam erhält sein Herz zurück
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Landtagsschloss“: Potsdam erhält sein Herz zurück
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18:43 22.03.2010
An Donnerstag, 25. März, beginnen mit dem ersten Spatenstich die Arbeiten für den neuen Landtag.
An Donnerstag, 25. März, beginnen mit dem ersten Spatenstich die Arbeiten für den neuen Landtag. Quelle: dpa
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Die ehemalige Preußen-Residenz nach den Plänen von Architekt Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753) war nach einem Angriff britischer Bomber im April 1945 ausgebrannt. Die Ruine wurde 1959/60 auf Befehl der SED abgerissen. Der Versuch nach der Wende, die wüste Fläche mit einem Theaterneubau zu beleben, scheiterte.

Brandenburgs Landeshauptstadt erhält quasi ihr herausgerissenes Herz zurück. Der bisherige Parlamentssitz im Gebäude der SED- Bezirksleitung - im Volksmund wegen des roten Backsteins auch „Kreml“ genannt - hat dann ausgedient. Berlin ist mit seinem Schloss noch nicht so weit: geplanter Baubeginn ist nächstes Jahr.

In Potsdam stößt das 120 Millionen Euro teure Landtags- Stadtschloss nicht nur auf Zustimmung: Einige streiten vehement für einen Wiederaufbau 1:1, andere befürchten Disneyland. Es habe ein Spagat zwischen der Wiederherstellung der alten Stadtmitte und dem Wunsch nach einem modernen Parlamentsgebäude gemacht werden müssen, räumt Landtagspräsident Gunter Fritsch ein. „Das Parlamentsgebäude wird dementsprechend eine gute Mischung aus Geschichte, Gegenwart und Zukunft sein.“

Der für das Projekt verantwortliche Dresdner Architekt Peter Kulka sieht den Neubau als Initialzündung für die historische Mitte Potsdams. Es sei besonderer Wert auf ein - dem geschichtlichen Vorbild entsprechendes - einheitliches Gesamtbild gelegt worden, erläutert er. Eine 20-Millionen-Euro Spende von Software-Milliardär Hasso Plattner für das Schloss ist an die Bedingung geknüpft, dass alle Fassaden und das berühmte Treppenhaus wiederkommen. Im Inneren soll hingegen ein moderner Parlamentsbau entstehen. Kulka: „Die Zukunft wird zeigen, inwieweit die Balance zwischen Erinnerung und neuer Aufgabe gelungen ist.“

Ein Hingucker wird voraussichtlich das originalgetreue Treppenhaus von Knobelsdorff. Erhaltene Skulpturen und Schmuckelemente sollen auch an die Geschichte die Zerstörung erinnern. Die äußeren Fassaden entsprächen in ihren Richtmaßen weitestgehend dem historischen Vorbild, die Hoffassaden verschöben sich jedoch, erläutert Kulka. Auch dies ist ein weiterer Streitpunkt, denn einige wollen die alten Ausmaße des Schlosses.

Der Grundstein für den 120-Millionen-Euro-Bau werde nach der Sommerpause gelegt, sagt der Projektleiter beim Brandenburger Finanzministerium, Wolfgang Bösche. Im südlichen Bereich wird der Bau auf 62 Pfählen gegründet, die bis zu 27 Meter tief reichen. “22 000 Kubikmeter Beton, 4000 Tonnen Stahl und 4500 Kubikmeter Naturstein werden verbaut.“ Errichtet wird das „Landtagsschloss“ in sogenannter öffentlich-privater Partnerschaft (PPP), bei dem das Land nicht direkt Bauherr ist. Anfang 2013 soll das Parlament seinen Betrieb aufnehmen.

Neben dem Plenarsaal und Fraktionsräumen wird es Büros für insgesamt 150 Abgeordnete geben. Insgesamt sind 371 Büro- und 21 Beratungsräume vorgesehen. Die Tiefgarage bietet knapp 170 Plätze. Der Innenhof - zugänglich durch das Fortunaportal - soll ein stimmiges Ambiente für Konzerte und Veranstaltungen bieten.

Im Potsdamer Stadtschloss wohnte einst Friedrich der Große im Winter. Er ließ den Bau in leuchtendem Karminrosa putzen, abgesetzt mit Sandstein-Weiß. Alles überragte ein preußischblaues Kupferdach mit vergoldeten Ornamenten. Als einzigartig galt die Ausstattung der Innenräume. Nach 1918 diente der Bau als Museumsschloss und war Sitz der Stadtverordnetenversammlung.

Vor der Sprengung nach dem Zweiten Weltkrieg konnten Originalteile wie Säulen, Pfeiler, Reliefs und Ziergitter geborgen werden, die jetzt zum Teil wieder verarbeitet werden. Ob jedoch die berühmte Bittschriften-Linde wieder gepflanzt wird, scheint fraglich. An den Stamm hefteten Landeskinder einst ihre Petitionen an Friedrich II. Heute müssen die Brandenburger einen anderen Weg nehmen, um sich an die Landesregierung zu wenden.

dpa