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Deutschland / Welt Lehrer klagen über Chaos zu Beginn des Schuljahrs
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Lehrer klagen über Chaos zu Beginn des Schuljahrs
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21:27 03.08.2009
Von Saskia Döhner
Der Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eberhard Brandt, befürchtet, dass jede zehnte Stunde ausfallen wird. Quelle: Martin Steiner (Archiv)
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Der Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eberhard Brandt, befürchtet, dass jede zehnte Stunde ausfallen wird. Das Kultusministerium weist die Vorwürfe zurück. Wenn am Donnerstag an den Schulen zwischen Ems und Elbe wieder der Unterricht beginnt, herrscht vielerorts dicke Luft: Die Genehmigung der Lehrer-Teilzeitanträge sei verschleppt worden, und die verzögerte Einstellung der neuen Pädagogen habe es den Schulen nahezu unmöglich gemacht, rechtzeitig Stundenpläne zu erstellen, kritisierten Lehrerverbände und Oppositionsparteien am Montag.

Viele Teilzeitanträge seien erst in den Sommerferien endgültig genehmigt worden, bemängelte GEW-Vorsitzender Brandt. Einige Fälle seien sogar jetzt noch offen. Die Gewerkschaft kritisierte, ein Drittel der landesweit 2400 neuen Lehrer trete den Dienst erst zum 1. November an, an den Gymnasien sei es sogar jeder Zweite der neu eingestellten Pädagogen. Dem GEW-Vorwurf, einige Pädagogen seien erpresst worden, etwas mehr zu arbeiten, andernfalls würde man sie auf die volle Stundenzahl setzen, trat das Ministerium vehement entgegen.

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SPD-Bildungsexpertin Frauke Heiligenstadt monierte, wenn Schulleiter bis kurz vor Ende der Sommerferien nicht wüssten, wie viele Lehrer mit welchem Stundenkontingent ihnen zur Verfügung stünden, sei Planung nahezu unmöglich. „Bis zuletzt gab es Unklarheiten“, bestätigte Helga Akkermann vom Schulleitungsverband. Von „Chaos“ wollte sie nicht sprechen, wohl aber von einem „erheblichen Organisationsaufwand für die Schulleiter“. Mathematiklehrer für drei Monate zu finden, sei sehr schwierig. Viele Bewerber wollten lieber einen langfristigen Job.

Während nach Ansicht von GEW-Chef Brandt „Unterrichtsausfall an den Schulen so programmiert“ ist, sieht der Philologenverband „die krisenhafte Zuspitzung“ an den Gymnasien zumindest verhindert. Es bleibe allerdings „das drückende Problem der Mangelfächer“ wie Mathematik, Physik, Latein und Musik, warnte Landesgeschäftsführer Roland Neßler. Es sei fraglich, ob die angepeilte Unterrichtsversorgung von 99,5 Prozent überhaupt erreicht werde.

Die GEW sprach von einer „Flucht vor dem Turboabitur“. 2008 seien landesweit rund 3000 Gymnasiasten nach der 10. Klasse zu einem Fachgymnasium oder einer Gesamtschulen gewechselt, um dort das Abitur nach 13 Jahren abzulegen, sagte Statistikexperte Henner Sauerland. Dies seien so viele wie nie, nämlich zehn bis zwölf Prozent des Jahrgangs. Normalerweise liege die Zahl der Abgänger im Schnitt bei sechs Prozent. Einen Beleg für die Zahl hat die GEW allerdings nicht. „Dies sind Hochrechnungen“, räumte Sauerland ein. Ein Sprecher von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann wies Berichte über die hohe Abgängerquote als Spekulation zurück und will am Mittwoch konkrete Zahlen vorlegen.