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Deutschland / Welt Lettland lehnt Russisch als Amtssprache ab
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Lettland lehnt Russisch als Amtssprache ab
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21:14 19.02.2012
Russisch wird in Lettland nicht zur zweiten Amtssprache. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Riga

Lettisch bleibt in Lettland die einzige Staatssprache. Mit großer Mehrheit lehnten die Bürger des Baltenstaates in einem Referendum die Anerkennung von Russisch als zweiter offizieller Sprache ab. Das Wahlergebnis war für die führenden Politiker dennoch ein Weckruf, den Dialog zwischen den Bevölkerungsgruppen zu verstärken. Rund ein Drittel der 2,1 Millionen Einwohner bekennt sich zu Russisch als Muttersprache.

Die durch eine Unterschriftensammlung erzwungene Volksabstimmung erteilte der Forderung nach Aufwertung des Russischen eine klare Absage. 74,8 Prozent der Teilnehmer stimmten mit Nein, nur 24,9 Prozent für den Vorschlag. Mit knapp 275 000 Ja-Voten verfehlte die Initiative das für einen Erfolg notwendige Quorum um eine halbe Million Stimmen.

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Eine für lettische Verhältnisse sensationell hohe Wahlbeteiligung von 70,7 Prozent beweist, wie wichtig die Bevölkerung die Abstimmung nahm, die nach den Worten von Staatspräsident Andris Berzins an „einer der heiligsten Grundlagen der Verfassung“ rüttelte. Nur beim Referendum über den EU-Beitritt hatte es in Lettland eine ähnlich hohe Teilnahme gegeben. Alle, die in einer Atmosphäre von gegenseitigem Respekt und Verständnis leben wollten, müssten sofort einen Dialog aufnehmen, mahnte Berzins. Sonst bleibe man „empfänglich für extremistische Manipulationen“.

Die Kampagne vor dem Referendum hatte eine Spaltung der Gesellschaft offengelegt, die von den meisten Letten bisher bestritten wurde. „Früher bemerkte ich keine Spannungen, jetzt spüre ich sie“, sagte der Student Raivis Boudars. Die Klagen der Russen über Diskriminierung im öffentlichen Leben wurde gerne als „von Moskau gesteuerte Propaganda“ abgewiesen. Nun enthüllt das Abstimmungsergebnis krasse regionale Unterschiede.

Hannes Gamillscheg