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Deutschland / Welt Liberale haben wieder Puls
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21:59 20.04.2012
Von Jörg Kallmeyer
Die FDP kämpft weiter um Wählerstimmen und kann erste Erfolge vermelden. Quelle: dpa
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Hannover

Christian Lindner, in Düsseldorf gestartet wie ein Messias, könnte es schaffen. Seine Kollege Wolfgang Kubicki, der in Schleswig-Holstein eine Woche früher zur Wahl steht, hat in der jüngsten Umfrage bereits fünf Prozent eingefahren. Fünf Prozent! Wenn es ums politische Überleben geht, wird man bescheiden.

Parteichef Philipp Rösler hat sich nur einen Tag Zeit gegeben, die Liberalen hinter sich zu scharen. Vom Parteitag am heutigen Sonnabend in Karlsruhe soll das berühmte Signal der Geschlossenheit ausgehen, die Erwartungen an eine Rede von Rösler steigen – zum wiederholten Mal in seiner Amtszeit – ins Unermessliche. Aber was heißt bei der FDP im Augenblick schon Geschlossenheit?

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Röslers Dilemma ist bekannt: Der neue Erfolg der FDP wäre ein Erfolg von Röslers Gegnern innerhalb der Partei. Hoffnungsträger Lindner konnte unter Rösler nicht Generalsekretär in Berlin bleiben; ein Erfolg Lindners in Düsseldorf könnte daher als Beginn der Rache an Rösler gewertet werden. In Kiel profiliert sich Dauerquälgeist Kubicki schon seit Langem sehr gern auf Kosten der Bundes-FDP. Schafft die Kubicki-FDP den Einzug in den Landtag, dann ist das nicht Röslers Erfolg. Wenn sie aber scheitert, dann ist es Röslers Problem. So ungerecht ist die Welt für den aus Hannover stammenden derzeitigen Bundesvorsitzenden.

Dabei hat die leichte Erholung der eben noch leichenblassen FDP durchaus mit Rösler zu tun. Seine harte Linie im Umgang mit staatlichen Subventionen habe einen entscheidenden Beitrag zum Wiedererstarken der Liberalen geleistet, betonen die Meinungsforscher.

Es war Rösler, der klipp und klar die umstrittenen Staatshilfen für die gekündigten Schlecker-Mitarbeiterinnen ablehnte. Und es war Rösler, der auch eine Kappung der ebenso umstrittenen Solarförderung durchsetzte. Beides gefiel zwar nicht dem breiten Publikum. Doch es half, endlich mal wieder zumindest die liberale Klientel anzusprechen – getreu einer Maxime des verstorbenen früheren Wirtschaftsministers Jürgen W. Möllemann: „Wenn in der Kneipe neun Leute auf uns schimpfen und einer sagt, wieso, da hat die FDP doch recht, dann sind das zehn Prozent für uns.“