Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Links-Demo gegen Neonazis in Berlin verläuft friedlich
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Links-Demo gegen Neonazis in Berlin verläuft friedlich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:55 30.04.2010
Rund 700 Linke demonstrierten am Freitagabend in Berlin gegen Neonazis. Quelle: dpa
Anzeige

Eine Demo von rund 700 Linken in Berlin-Schöneweide ist am Freitagabend friedlich verlaufen. Der Protestzug ging auch an einer Neonazi-Kneipe vorbei. Der Rechtsextremisten-Treff „Zum Henker“ in der Brückenstraße wurde mit einer Doppelreihe Mannschaftswagen der Polizei gesichert. Zunächst war die Straße gesperrt worden, der Protestzug wurde über angrenzende Straßen geleitet. Dann konnte die Demonstration überraschend an dem Treff der Neonazis vorbeiziehen. Lautstark wurden Sprechchöre gerufen, ein Farbbeutel flog gegen die Fassade. Gewalttätige Zusammenstöße zwischen Linken und Rechten blieben aber bislang aus.

In Nebenstraßen waren Wasserwerfer und Räumfahrzeuge geparkt. Auf der Spree patrouillierten Boote der Wasserschutzpolizei, Hubschrauber kreisten über der etwa zweistündigen Demo. Zum großen Teil schwarz gekleidete junge Leute aus der autonomen Szene skandierten Parolen wie “1. Mai nazifrei“. Es wurde dazu aufgerufen, am Samstag ebenfalls gegen Neonazis zu protestieren. Der Berliner Grünen-Politiker Benedikt Lux, der den Protest beobachtete, lobte den Polizeieinsatz in Schöneweide. Es sei gelungen, Gewaltausbrüche zu verhindern.

Anzeige

Am Rande der Demonstration nahm die Polizei zwei Neonazis festgenommen. Einer von ihnen habe den Hitlergruß gezeigt, als der Protestzug linker Demonstranten an dem Rechtsextremisten-Treff vorbeilief, teilte ein Polizeisprecher mit. Auch der zweite Festgenommene habe verbotene Kennzeichen zur Schau gestellt. Die beiden Männer wurden aus der Kneipe herausgeholt und kamen in Polizeigewahrsam.

Nach Angaben von Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) werden am Samstagvormittag bei einem Aufmarsch von Rechtsextremen bis zu 3000 Teilnehmer sowie bis zu 10 000 linke Gegendemonstranten erwartet. Dem Protest-Bündnis gegen den Aufmarsch, der am S-Bahnhof Bornholmer Straße beginnen soll, haben sich zahlreiche Politiker von SPD, Grünen und der Linken angeschlossen, darunter Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, Linke-Vorsitzender Oskar Lafontaine und Grünen- Vorsitzende Claudia Roth.

Die Polizei befürchtet Gewaltausbrüche und will beide Züge strikt trennen. Für den Abend des 1. Mai werden wie in den vergangenen Jahren auch Krawalle von Linksautonomen in Kreuzberg erwartet. Bis zu 6000 Polizisten aus mehreren Bundesländern werden im Einsatz sein.

Im Mauerpark im Stadtteil Prenzlauer Berg sowie am Boxhagener Platz in Friedrichshain kamen am Freitagabend jeweils mehrere hundert Menschen zu den bereits traditionellen Mai-Feiern zusammen. Am Mauerpark wurden Taschen kontrolliert. Glasflaschen waren verboten. Auch Feuer durften nicht entzündet werden. Es galt ein weiträumiges Park-Verbot. Anti-Konflikt-Teams der Polizei waren unterwegs. Bei Einbruch der Dunkelheit sollte das Gelände ausgeleuchtet werden. Am Boxhagener Platz wurde mit Musik friedlich eine „antikapitalistische Walpurgisnacht“ gefeiert.

Bislang verlaufe alles friedlich und störungsfrei, sagte ein Polizeisprecher. Es gelte das Prinzip der ausgestreckten Hand, wonach sich die Polizei zurückhalte, solange die Stimmung friedlich bleibe. Bei Ausbrüchen von Gewalt solle aber schnell und konsequent durchgegriffen werden. In der Vergangenheit war es in der Walpurgisnacht wiederholt zu Angriffen von Linksautonomen sowie betrunkenen Jugendlichen und Randalierern auf die Polizei gekommen. Zuletzt nahm die Gewalt bei den Walpurgisfeiern aber ab.

dpa