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Deutschland / Welt London kritisiert begeisterten Empfang für Lockerbie-Attentäter
Nachrichten Politik Deutschland / Welt London kritisiert begeisterten Empfang für Lockerbie-Attentäter
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11:17 21.08.2009
Der Lockerbie-Attentäter Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi wurde in Libyen begeistert empfangen.
Der Lockerbie-Attentäter Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi wurde in Libyen begeistert empfangen. Quelle: afp
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Der libysche Umgang mit Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi könne diplomatische Konsequenzen nach sich ziehen, warnte der britische Chefdiplomat im Radiosender BBC. Libyen müsse wissen, dass seine Handlungen in den kommenden Tagen großen Einfluss darauf hätten, wie die Welt die Rückkehr des Landes in die Staatengemeinschaft werte.

Ob die Entscheidung für Megrahis Freilassung richtig gewesen sei, wollte Miliband nicht kommentieren. Der schottische Justizminister Kenny MacAskill hatte den Attentäter am Donnerstag wegen seiner schweren Krebserkrankung aus schottischer Haft entlassen. Megrahi war 2001 wegen des Anschlags im Jahr 1988 auf ein US-Linienflugzeug über dem schottischen Lockerbie verurteilt worden, bei dem 270 Menschen starben. Bei seiner Ankunft in Tripolis am Donnerstagabend winkten hunderte Menschen mit libyschen und schottischen Fahnen.

Megrahis Freilassung war auch von US-Präsident Barack Obama und Hinterbliebenen der Lockerbie-Opfer kritisiert worden. Die meisten Opfer stammten aus den USA. Stephanie Bernstein, deren Mann zu den 270 Opfern zählte, bezeichnete die Entscheidung als „naiv“. Im US-Nachrichtensender CNN zeigte sie sich bestürzt über den herzlichen Empfang des Libyers bei seiner Rückkehr nach Tripolis. Justizminister MacAskill hatte betont, das schottische Recht sehe im Falle einer todbringenden Erkrankung die Begnadigung eines Verurteilten vor.

„Wir sprechen von einem Massenmörder“, sagte die Hinterbliebene Susan Cohen ebenfalls in CNN. Jemand, der so viele unschuldige junge Menschen umgebracht habe, könne nicht auf Mitgefühl hoffen. Cohen, deren 20-jährige Tochter bei dem Anschlag kurz vor Weihnachten starb, unterstellte wirtschaftliche Interessen in dem Urteil. „Da geht es ums große Ölgeschäft“, mutmaßte sie. Kathleen Flynn, die ihren 21-jährigen Sohn verlor, sagte auf Fox-News, die sei geschockt, dass ein einziger Mensch eine solche Entscheidung treffen könne.

afp