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Deutschland / Welt „Make the world GRETA again!“
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17:00 01.03.2019
Greta Thunberg, Klimaaktivistin, auf dem Hamburger Rathausmarkt. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
Hamburg

Alle warten auf Greta Thunberg. Dabei ist sie schon längst da, sie wird nur nicht erkannt. In der ersten Reihe des Demonstrationszuges in Hamburg steht die junge schwedische Klimaaktivistin neben einer Schülerin, die zwei Köpfe größer ist und eine orangene Jacke trägt – diese Jugendliche ist der Orientierungspunkt für alle, die Greta suchen.

Ganz vorn – das ist nicht Gretas Ort. Die Richtung vorgeben – auch das scheint auf den ersten Blick nicht ihr Weg zu sein. Der Gast, der erstmals für einen Schulstreik für bessere Klimapolitik nach Deutschland gekommen ist, wirkt abwesend. Die 16-Jährige verzieht keine Miene unter der weißen Wollmütze, während sie von einer fröhlichen Schülerschar umgeben ist, die sich vom Gänsemarkt zum Rathausmarkt schiebt.

Greta versucht, sich unsichtbar zu machen

Die Falte zwischen ihren Augen verschwindet selten aus dem jungen Gesicht, das so gar nicht wie das einer schon 16-Jährigen aussieht. Immer wieder lässt sie sich ein wenig in der Menge nach hinten fallen, macht sich mit ihrer Größe von 1,53 Meter unsichtbar für all die Kameras und Handys, die auf sie gerichtet sind. Sie ist auffallend unauffällig. Dabei ist Greta Thunberg die Galionsfigur und Initiatorin einer Klimabewegung, zu der sich unter dem Motto #FridaysforFuture Schüler in vielen Ländern zusammengeschlossen haben, darunter an jedem Freitag Tausende in Deutschland.

In Hamburg haben die Veranstalter mit 3000 Menschen gerechnet, am Ende sollen es noch einige Tausend mehr gewesen sein. „Ihr macht Geschichte“, wird Greta Thunberg später auf dem Rathausplatz in einer kurzen Ansprache sagen. „Politiker und Leute an der Macht sind schon zu lange damit durchgekommen, nichts zu tun, um die Klimakrise zu bekämpfen", erklärt sie weiter – ohne dabei die Stimme anzuheben. Die hohe Zahl der Teilnehmer ist ihr Verdienst, an Freitagen ohne Besuch aus Schweden demonstrieren eher Hunderte Schüler für konsequenteren Klimaschutz und für einen schnelleren Ausstieg aus der Kohleenergie.

Liebesbriefe für die Schwedin

„Make the world GRETA again!“, steht auf einem der vielen kreativen Plakate. Herzchenaufkleber mit ihrem Namen werden verteilt. Lilli (17) und Gustav (16) haben ihr einen riesigen Liebesbrief geschrieben und schon mehr als 72.000 Unterschriften gesammelt , um gegen Anfeindungen aus dem Netz gegen die Klimaaktivistin ein Zeichen zu setzen. Denn auch das tut Greta Thunberg – sie polarisiert. Dabei fasziniert sie einen großen Teil der jungen Generation. „Die hat vor nichts Angst, spricht auf der Klimakonferenzen und dem Weltwirtschaftsgipfel, als gäbe es keinen Menschen, der sie einschüchtern oder vom Weg abbringen könnte“, sagt der 13-jährige Realschüler Tom. „Sie ist extrem direkt – ohne Rücksicht“, das imponiert auch der 15-jährige Selina aus der 10. Klasse.

„Ich sehe die Welt anders: schwarz und weiß“

„Und es ist cool, dass so eine wie sie, die anders ist, in der Gesellschaft etwas bewirkt.“ Eine wie sie? Greta Thunberg hat das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Auch deshalb wirkt sie oft so emotionslos. Greta selbst sieht ihren Autismus als Vorteil: „Ich sehe die Welt anders: schwarz und weiß“, hat sie einmal gesagt. Ihre Diagnose sei eine Hilfe. Die Schwedin fokussiert sich auf ein Thema. Und dabei gibt es kein grau.

Das gefällt. Auch Iris Hopff. Die 60-Jährige hat ein Plakat auf Schwedisch geschrieben. Ganz sicher ist sie sich nicht, dass tatsächlich, „Meine Anerkennung, Greta“ darauf steht. Die Hamburgerin begleitet die 16-Jährige Sophie, eine Nachbarstochter. „Die Schüler haben teilweise so viel Druck (…) bekommen, weil sie freitags hierher gehen. Wenn schon nicht alle Schüler kommen können, müssen wir Erwachsenen das doch machen“, sagt sie. Sophie schwänzt heute, am letzten Tag vor den Hamburger Ferien, den Unterricht. Den Test in Chemie - ausgerechnet zum Thema Klimaschutz - wird sie nicht mitschreiben. Das bringt ihr null Punkte ein – doch „das ist mir egal, es gibt Wichtigeres“, sagt sie.

Lesen Sie auch den Kommentar: Klimademos nach der Schule wären allen egal

Von Heike Manssen/RND

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