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Deutschland / Welt Malta rettet Tausende mit nur einem Schiff
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Malta rettet Tausende mit nur einem Schiff
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20:38 02.05.2015
Rund 100 Flüchtlinge fahren mit einem Schlauchbord zur „Phönix“, dem einzigen Rettungsschiff der privaten Flüchtlingshilfe Maltas. Quelle: dpa (Archiv)
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Valletta

Etwa 3000 Flüchtlinge haben Regina Catrambone und ihr Ehemann Christopher im vergangenen Jahr vor dem Ertrinken im Mittelmeer gerettet. 60 Tage lang dauerte der Einsatz der von ihnen ins Leben gerufenen Rettungsmission. Das italienisch-amerikanische Unternehmerpaar, das seit mehreren Jahren auf Malta lebt, gründete nach eigenen Angaben Europas erste privat finanzierte Flüchtlingshilfe zur See. Am Samstag brach ihr SchiffPhoenix“ zur zweiten Mission auf.

„Tatsache ist, dass wir nur ein Schiff haben“, sagt Regina Catrambone. „Es ist voller Liebe, Energie und Menschen, die an dieses Projekt glauben“, fügt die Italienerin hinzu. Inspiriert von einer Rede von Papst Franziskus, gründete das Paar mit eigenen Mitteln die Migrant Offshore Aid Station (MOAS). Doch ihre Flüchtlingshilfe brauche Nachahmer und Unterstützer. „Wir können das nicht alleine bewerkstelligen“, sagt Catrambone. Sie ruft Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGO) auf, dem Beispiel der MOAS zu folgen.

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Auch in diesem Jahr will die Flüchtlingshilfe, zu der auch erfahrene Seeleute und medizinisches Personal gehören, Hunderte Menschen vor dem Ertrinken retten. Die Mission soll bis Oktober dauern, doch dieses Mal sind die Umstände dramatischer. Italien hat die Flüchtlingshilfe „Mare Nostrum“ eingestellt, allein in diesem Jahr sollen mindestens 1780 Flüchtlinge bei der Überquerung des Mittelmeers nach Europa ihr Leben verloren haben. 2014 starben nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) insgesamt etwa 3279 Menschen. Dieses Jahr könne es viel mehr Tote geben, warnt die Organisation. Demnach stieg die Opferzahl allein im April um das 20-fache im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres.

Mit Kameradrohnen wird das Rettungsteam der MOAS auf hoher See nach Flüchtlingsbooten suchen. „Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit“, warnt Catrambone und verweist auf die Kriege und Unruhen in Ländern wie Syrien und Libyen. Tausende Menschen sind dort auf der Flucht. „Es passiert jetzt und wir müssen jetzt reagieren“, betont sie und fordert NGOs und Geschäftsleute zum gemeinsamen Handeln auf. Erst am 19. April waren bei einem Schiffbruch vor der Küste Libyens rund 800 Migranten ums Leben gekommen, nur 24 Leichen wurden geborgen und auf Malta begraben, 28 Flüchtlinge überlebten die Katastrophe.

Das sich abspielende Drama im Mittelmeer hat auch die europäischen Regierungschefs aufgerüttelt. Bei einem EU-Sondergipfel wurden jüngst in Brüpssel die Mittel für die Grenzschutzmission „Triton“ um das Dreifache aufgestockt. Doch Catrambone sieht die Maßnahmen kritisch. Statt Grenzkontrollen zu stärken, sollten ihrer Ansicht nach mehr Gelder für Such- und Rettungseinsätze vor der Küste Libyens bereitgestellt werden. Dort komme es zu den meisten Flüchtlingstragödien. „Man kann eine Million Schiffe haben, doch es ist sinnlos, wenn die Unglücke woanders passieren“, sagt Catrambone.

Die MOAS wird von Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen und Privatleuten unterstützt - auch aus Deutschland. Jürgen Wagentrotz, Vorstandsvorsitzender der Oil & Gas Invest AG in Frankfurt am Main, hat nach eigenen Angaben 180.000 Euro privat gespendet. „Wir dürfen einfach nicht tatenlos zusehen, wie Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben hilflos ertrinken“, begründet er sein Engagement. Das Unternehmen stellt zudem monatlich 30.000 Euro für die Arbeit der privaten Rettungsinitiative zur Verfügung - unter anderem für Sprit.

Spenden haben die zweite Mission der Flüchtlingshilfe bis Oktober möglich gemacht, mehr als 100 000 Euro nahm die Organisation bei einer Crowdfunding-Aktion ein. Die Hälfte dieses Betrags spendeten Deutsche. Doch nach Angaben der Catrambones werden noch viele weitere Spenden gebraucht, damit die MOAS auch nach Oktober weiter Menschenleben retten kann.

Von Herman Grech/dpa

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