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Deutschland / Welt Mar-a-Lago: Trumps Kaderschmiede im Luxusort
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14:19 16.11.2018
In Mar-a-Lago ist Donald Trump in der Regel besonders gut gelaunt. Quelle: Greg Lovett/Palm Beach Post/AP/dpa
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Washington

Auf dem internationalen Parkett haben die Botschafter der USA einen speziellen Ruf. Anders als in Deutschland oder Frankreich entstammen sie nicht immer dem auswärtigen Dienst, besitzen aber eine persönliche Nähe zum Präsidenten. So berief der frühere Präsident Barack Obama beispielsweise die Tochter von John F. Kennedy, Christine Kennedy, zur Botschafterin in Tokio, ohne dass sie eine spezielle Qualifikation für die Diplomatentätigkeit gehabt hätte.

Die Maßstäbe, die Donald Trump für seine höchsten Repräsentanten im Ausland anlegt, lassen viele Beobachter jedoch ratlos zurück. So bereitet sich der Senatsausschuss für auswärtige Angelegenheiten gerade auf die Anhörung von Lana Marks vor, die der Präsident als Botschafterin Amerikas nach Südafrika entsenden will. Marks verbrachte ihre ersten Lebensjahre in Südafrika und besitzt daher gewisse Kenntnisse der Landessprachen Xhosa und Afrikaans.

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Handtaschen aus Krokodilleder und mit Diamanten besetzt

Nach einer ersten Karriere als Tennisspielerin wechselte Marks in die Modebranche und lässt Handtaschen produzieren, die zu den teuersten der Welt zählen. Eine gewisse Bekanntheit erreichte die 64-Jährige insbesondere mit Taschen, die ihren Namen tragen, aus Krokodilleder gefertigt und mit Diamanten besetzt sind. Pro Handtasche verlangt die Modedesignerin bis zu 100.000 Euro. Als besondere Werbeträger hat die umtriebige Geschäftsfrau offenbar die Hollywood-Prominenz ausgemacht. So werden ihre Produkte unter anderem von den Schauspielerinnen Charlize Theron, Angelina Jolie and Kate Winslett getragen.

Weniger bekannt ist dagegen ihre Bekanntschaft zu Trump: Marks wohnt in dem Luxusort Palm Beach und gehört zu den Gründungsmitgliedern des Mar-a-Lago-Club, der sich im Besitz der „Trump-Organization“ befindet. Die Aufnahmegebühren für die Mitglieder wurden verdoppelt, als Trump die Präsidentschaftswahlen gewann – von knapp 100.000 auf 200.000 Euro (zuzüglich der Jahresbeiträge).

Im neuen diplomatischen Korps der Vereinigten Staaten ist Marks keineswegs eine Ausnahme. Der Chef des Weißen Haus wollte bereits drei weitere Mitglieder des schillernden Klubs zu Vertretern Amerikas berufen: Patrick Park, Multimillionär und langjähriger Sponsor der Republikanischen Partei, sollte die Supermacht in Österreich vertreten. Park lehnte dankend ab und gab „familiäre Gründe“ an, die ihn an der Aufgabe hindern würden.

Auch Brian Burns, ebenso ein Großspender der „Grand Old Party“, sollte in den diplomatischen Dienst eintreten und sein Heimatland in Irland vertreten. Auch er lehnte ab.

Ungewöhnliche Karriere einer Versicherungsmaklerin

Tatsächlich in den Dienst eingetreten ist dagegen Robin Bernstein: Die 64-jährige Versicherungsmaklerin wurde in diesem Sommer zur Botschafterin in der Dominikanischen Republik ernannt. Auch Bernstein zählt zu den Gründungsmitgliedern des Mar-a-Lago-Clubs und stand über Jahre in geschäftlichem Kontakt zu Trump.

Wie die Nachrichtenseite „ProPublica“ im Sommer berichtete, ist das Mar-a-Lago-Netzwerk mittlerweile auch in den Diensten anderer Bundesbehörden zu finden: So sollen drei Club-Mitglieder als Berater für das Veteranenministerium tätig sein. Die drei Trump-Vertrauten betonen, der Behörde lediglich „untergeordnete und freiwillige Hilfsangebote“ zu unterbreiten. Ihre Namen finden sich jedoch auf mehrere hundert Dokumenten. ProPublica spricht daher kurzerhand von der „Mar-a-Lago Bande“.

Fragen wirft die eigenwillige Personalpolitik nicht zuletzt im Kongress auf. So beschwerte sich kürzlich Senator Bob Menendez bei Außenminister Mike Pompeo: Dem Ausschuss für auswärtige Beziehungen, der für die Überprüfung der Kandidaten zuständig ist, würden in jüngster Zeit zu viele Personalvorschläge unterbreitet, die offenkundig nicht tauglich seien für den diplomatischen Dienst.

Von Stefan Koch