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Deutschland / Welt Margot Käßmann bei der CSU
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08:51 07.01.2011
Margot Käßmann. Quelle: dpa
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Ein Frage-und-AntwortSpiel, das offenbar zusammenführte.

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„Nichts ist gut in Afghanistan!“ Noch immer gelte dieser Satz, wie vor einem Jahr, als EKD-Amt, Käßmann und Führerschein noch eins waren. Die Medien stürzten sich auf diesen einen Satz – auch zur Überraschung von Käßmann, hieß es im Kamingespräch. Ja, ja, die kurze Sicht der Medien – die Christsozialen nickten.

Eigentlich sei noch immer nichts besser geworden, sagte Käßmann bei ihrem Einzug am Tegernsee. Aber viel lieber wolle sie aus kirchlicher Sicht über den gerechten Frieden als über den gerechten Krieg reden. Das scheint ungefähr so mutig wie der in Kreuth verabredete Nichtangriffspakt zwischen CSU-Chef Seehofer und CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zum Thema Parteivorsitz – entscheidend ist, was nicht gesagt wird.

Vor einem Jahr hatte die Kirchenvertreterin die Reise-Einladung Guttenbergs an den Hindukusch schriftlich abgelehnt, weil ihr Amt im Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) im Weg sei. Jetzt hat sie die erneuerte Einladung angenommen, aber eigentlich habe sie doch kein richtiges Amt mehr. Man wolle aber im Gespräch bleiben. Eine Art Nichtreise-Reise-Pakt.

Angesprochen mit „Frau Professor“ – nächste Woche steht ihre Antrittsvorlesung für die Max-Imdahl-Gastprofessur an der Bochumer Ruhr-Universität bevor –, wollte die Pastorin wenig mit Journalisten, aber viel mit den Christsozialen ins Gespräch kommen.

Ein gutes Jahr nach der Alkoholfahrt mit 1,54 Promille im Blut, dem Rücktritt als EKD-Ratsvorsitzende und dem Gewinn an Glaubwürdigkeit hinterließ Käßmann bei den parteilichen Glaubensbrüdern und Glaubensschwestern derart viel Eindruck, dass am Ende einige sogar das Angebot auf eine Bundestagskandidatur nicht mehr ausschließen wollten. Warum sollte die Türkei EU-Mitglied werden – bei wichtigen Fragen nach den Frauenrechten und nach der freien Religionsausübung? Auch die CSU treibt derlei um. Viel zu wenig christliche Werte und Bibelwissen würden vermittelt – und die Frage nach einer Bibel-Zusammenfassung auf eine Minute empfinden Käßmann wie CSU-Abgeordnete als echte Zumutung.

„Ich würde gerne viel zurückgezogener leben, als Sie sich das vorstellen können“, hatte Käßmann kürzlich noch gesagt. In Kreuth hinterließ sie staunende Gesichter bei den Politikern – und bei vielen die Frage, welches Amt, welche Verantwortung die kluge Theologin als Nächstes anstrebt.

Sie hat viel Politisches zu bieten. Und auch die Erfahrung, dass selbst bei der renommierten „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ aus Rotwein ganz schnell eine Fahrt durchs Rotlichtviertel werden kann – dabei war es doch nur Weißwein beim Edelspanier, und die heimische Garage schien schon in Sichtweite. Seitdem ahne sie, wie viel auch Politiker über sich ergehen lassen müssten.

Dieter Wonka