Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Martin Kind will freiwillig mehr Steuern zahlen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Martin Kind will freiwillig mehr Steuern zahlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:42 01.09.2011
Martin Kind, Hörgeräteunternehmer und Präsident von Hannover 96, würde eine höhere Steuerbelastung akzeptieren. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Martin Kind, Hörgeräteunternehmer und Präsident des Fußballvereins Hannover 96, hält eine höhere Steuerbelastung für Reiche für akzeptabel. Seiner Ansicht nach sollten Vermögende stärker zur Kasse gebeten werden, allerdings verbunden mit der Verpflichtung des Staates, die Mehreinnahmen zur Schuldentilgung zu verwenden. „Wir müssen die nachfolgenden Generationen im Blick behalten und zügig die Schulden und Zinslasten des Staates senken“, sagte Kind der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. „Angesichts der demografischen Entwicklung haben wir eine besondere Verantwortung.“

Ähnlich äußert sich der Hamburger Versandhändler Michael Otto in der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Ich hätte kein Problem, wenn der Spitzensteuersatz angehoben würde.“ Das bringe viel mehr, als Diskussionen über eine Vermögensteuer wieder aufzuwärmen. Der ehemalige Versicherungsunternehmer Jürgen Hunke hält wiederum eine massive Erhöhung der Erbschaftsteuer für einen machbaren Weg: „Ich rede dabei nicht von dem ersparten Haus, sondern von Menschen mit Hunderten Millionen Euro.“

Anzeige

Und der Sänger Marius Müller-Westernhagen würde ebenfalls mehr abgeben. „Ein paar Prozentpunkte mehr Steuern machen Wohlhabende nicht arm“, erklärte er. „Es werden sogar alle reicher, wenn die Einnahmen konsequent zur Schuldentilgung genutzt werden und Zukunft statt Zinsen schaffen.“

Bereits im vergangenen Sommer hatte sich der Drogerieunternehmer Dirk Rossmann für eine ähnliche Initiative ausgesprochen. „Bei den Besserverdienenden ist angesichts der Sanierung der staatlichen Haushalte nicht kleinkarierter Egoismus, sondern Patriotismus gefragt“, sagte der Unternehmer aus Burgwedel damals. Ähnliche Worte wählte gestern SPD-Chef Sigmar Gabriel: „Der Appell zeigt, dass es mehr sozialen Patriotismus gibt, als die Steuersenkungsfanatiker immer behaupten.“ Es sei gut, dass sich ähnlich wie in den USA jetzt auch Vermögende in Deutschland zu Wort melden. SPD-Fraktionsvize Joachim Poss pflichtet bei: Alle Statistiken belegten, dass die Vermögensbesteuerung in Deutschland zu niedrig sei.

Harald Christ, ebenfalls ein sehr erfolgreicher deutscher Unternehmer, blickt dagegen kritisch auf diese Äußerungen der bekennenden Millionäre: „Wenn ich mir diese Initiative so anschaue, muss ich eher an eine Modeerscheinung denken. Sie erscheint mir wie eine geschickte Werbeaktion.“ Christ ist Mitglied im wirtschaftspolitischen Rat der Bundes-SPD und fordert in der Debatte mehr Ernsthaftigkeit: „Natürlich entspricht es den Tatsachen, dass wir einen massiven Investitionsstau in der Bildung und in der Forschung haben. Um dieses Problem zu lösen, benötigen wir dringend eine vernünftige Gegenfinanzierung.“ Es stehe aber zu befürchten, dass nicht alle, die sich so freigiebig für höhere Steuern aussprechen, sie auch tatsächlich zahlen würden.

Stefan Koch/frx

Dieser Artikel wurde aktualisiert.