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00:15 29.08.2013
Von Stefan Koch
 Vor 50 Jahren hielt Martin Luther King seine berühmte „I have a dream“-Rede am Lincoln-Memorial. Quelle: dpa
Washington

Es ist eine vorsichtige Begegnung. Mit behutsamen Schritten nähert sich Albert Jamison dem steinernen Koloss. Gestützt auf seine Gehhilfe, schaut der 78-Jährige zur zehn Meter hohen Standfigur von Martin Luther King hinauf. Dann tritt er direkt an das Denkmal heran, legt seine Hand an den Sockel und sagt: „Danke. Danke für alles.“ Jamison ist mit seiner Tochter Eva von New York City in die US-Hauptstadt gereist, um dem Mann seine Reverenz zu erweisen, der als leuchtendes Symbol in Amerikas Geschichte gilt. Vor 50 Jahren hielt King seine berühmte „I have a dream“-Rede am Lincoln-Memorial, die als Meilenstein der Bürgerrechtsbewegung und als eine der wichtigsten Reden des 20. Jahrhunderts gilt. An dem „Marsch auf Washington“ hatten sich damals mehr als 250 000 Menschen beteiligt – die bis dahin größte politische Demonstration in den Vereinigten Staaten.

Vor 50 Jahren hielt Martin Luther King in Washington seine berühmte Rede – ein Streifzug durch das Leben des Bürgerrechtlers.

Inmitten der Massen stand am 28. August 1963 auch Albert Jamison, dessen Großeltern sich aus dem früheren Sklavenhalterstaat Mississippi in den Norden geflüchtet hatten. Jamison wuchs daher nicht mit der Rassentrennung im Süden auf – mit einem Verbot von Mischehen und von Schulen, in denen Schwarze und Weiße gemeinsam unterrichtet werden. Unmissverständlich wurde in der Öffentlichkeit klargestellt, dass Farbige im Süden weiter als Menschen zweiter Klasse galten. Die formale Regelung – gleiche Rechte, aber getrennte Lebenswelten – sollte sich verhängnisvoll auswirken.

„Aber auch im liberalen Norden war ich vor Diskriminierungen nicht sicher“, sagt Jamison. Die Selbstverständlichkeit, mit der Menschen unterschiedlicher Hautfarben heute in den USA miteinander leben und arbeiten, sei damals ein Traum gewesen – ganz so, wie es der Bürgerrechtsführer King formuliert habe. Für seine Tochter Eva haben Kings Forderungen nichts an Aktualität eingebüßt, in einem übertragenen Sinn: „Wir müssen die Barrieren zwischen den Menschen einreißen. Wir sollten uns leiten lassen von Liebe und Vertrauen.“

„Unsere Heimat hat sich seit Kings Rede dramatisch verändert“

Viele der Afroamerikaner, die das neue King-Denkmal inmitten der Hauptstadt besuchen, sehen in dem Baptistenprediger einen Visionär, der mehr als die Rassenfrage im Blick hatte. „Es geht nicht allein um die Belange einer Minderheit. Entscheidend für unser Land ist die Frage, ob die Spielregeln für alle gelten, ganz gleich, wo die Wurzeln des Einzelnen liegen“, sagt Melissa Wellington, die mit Freunden über Jahre Spenden für den Bau des Denkmals sammelte.

Auch Präsident Barack Obama, der am Mittwoch vor dem Lincoln-Memorial anlässlich des 50. Jahrestages auftreten will, werde über mehr sprechen, als nur über die Frage, wie Schwarz und Weiß in Zukunft miteinander umgehen: „Unsere Heimat hat sich seit Kings Rede dramatisch verändert“, sagt Wellington. Es gebe nicht nur einen Afroamerikaner im Weißen Haus, sondern auch eine schwarze Mittelschicht, die in den vergangenen Jahrzehnten enorm gewachsen sei. Für den beruflichen Aufstieg sei nicht mehr die Hautfarbe, sondern die Qualifikation entscheidend.

28 Prozent der Schwarzen in USA sind arm

Die schwarze Bürgerrechtsorganisation „National Association for the Advancement of Colored People“ (NAACP) äußert sich wesentlich zurückhaltender. Auch wenn sich die Gesetzgebung in den sechziger Jahren auf Druck der Bürgerrechtler geändert habe, hätten sich die Ungerechtigkeiten im Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten verfestigt: Laut Berechnungen der NAACP leben 28 Prozent der Afroamerikaner unterhalb der Armutsgrenze, aber nur elf Prozent der Weißen. Das Durchschnittseinkommen liege bei 33 000 Dollar pro Jahr, dagegen verdienten die Weißen 55 000 Dollar. Auch sei die Arbeitslosigkeit mehr als doppelt so hoch. Besonders krass lasse sich das Missverhältnis an den Volksvertretern im Kongress ablesen: Von den 100 Senatoren stamme lediglich ein Politiker aus einer afroamerikanischen Familie, obwohl die Schwarzen 13 Prozent der Bevölkerung stellten.

Skeptisch äußerte sich daher der älteste Sohn des legendären Bürgerrechtlers, Marthin Luther King III., am Wochenende in Washington. Vor mehreren Tausend Demonstranten rief er: „Wir können und müssen mehr tun!“ Der Jahrestag sei kein Grund für Nostalgie: „Unsere Arbeit ist nicht erledigt.“ Mit ähnlichen Worten appellierte auch Amerikas Justizminister Eric Holder an seine Landsleute: Kings Werk müsse im Namen der Gerechtigkeit fortgesetzt werden. „Heute, 50 Jahre später, ist sein  Marsch unser Marsch. Er muss weitergehen“, so Holder.

I have a Dream

Die Rede Martin Luther Kings zum „Marsch auf Washington“ 1963 in Auszügen:

"Als die Architekten unserer Republik die grandiosen Worte der Verfassung und der Unabhängigkeitserklärung schrieben, unterzeichneten sie einen Schuldschein, dessen Erbe jeder Amerikaner sein sollte. Dieser Schuldschein war ein Versprechen, dass allen Menschen, schwarzen Menschen wie auch weißen Menschen, die unveräußerlichen Rechte von Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück garantiert wären (...) Amerika, anstatt diese heilige Verpflichtung zu honorieren, hat den Negern einen ungedeckten Scheck gegeben, einen Scheck, der mit dem Stempel ungenügende Deckung zurückgekommen ist. Wir weigern uns aber, daran zu glauben, dass die Bank der Gerechtigkeit bankrott ist (...) Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Söhne von früheren Sklaven und die Söhne von früheren Sklavenbesitzern auf den roten Hügeln von Georgia sich am Tisch der Bruderschaft gemeinsam niedersetzen können. Ich habe einen Traum, dass eines Tages selbst der Staat Mississippi, ein Staat, der mit der Hitze der Ungerechtigkeit und mit der Hitze der Unterdrückung schmort, zu einer Oase der Freiheit und Gerechtigkeit transformiert wird (...) Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden."

Mehrere Bürgerrechtler hatten am Wochenende an das Schicksal von Trayvon Martin erinnert, der im Februar vergangenen Jahres in Sanford (Florida) von George Zimmerman erschossen wurde. Der schwarze Jugendliche war unbewaffnet und auf dem Heimweg, als er von Zimmerman, der einer privaten Bürgerwehr angehörte, verfolgt wurde. Dass der Todesschütze kürzlich vor Gericht freigesprochen wurde, gilt vielen Bürgerrechtlern als Beleg für tief sitzende Vorurteile.

Die Bilderflut von der glamourösen „First Family“ im Weißen Haus verstellt den Blick auf das Alltagsleben vieler Afroamerikaner. Dabei ist ein akuter Krisenherd nur wenige Autominuten von der Regierungszentrale entfernt: Der Stadtteil Anacostia, wo in der Nachkriegszeit viele gutbetuchte Regierungsmitarbeiter lebten, gilt landesweit als Symbol für den verhängnisvollen Teufelskreis aus Armut, Drogenmissbrauch und Kriminalität.

Ursache der Armut beginnt im Bildungswesen

Die Bevölkerung in der landschaftlich schönsten Region der Hauptstadt setzt sich zu etwa 95 Prozent aus Afroamerikanern zusammen, von denen viele auf Lebensmittelgutscheine angewiesen sind. Unzählige Häuser werden von Großfamilien bewohnt, da sich viele Farbige einen eigenen Hausstand gar nicht leisten können. In Sichtweite des Kapitols gehören Schießereien in der Abenddämmerung zum Alltag. Über viele Jahre hinweg stand Anacostia im Ruf, „Mörderhauptstadt Amerikas“ zu sein.

Als Ursache der vererbten Armut gelten weniger unterschwellige Diskriminierungen als eher Eigentümlichkeiten des öffentlichen Bildungswesens: So finanzieren sich Highschools überwiegend aus Grundstückssteuern der Umgebung. Dementsprechend verfügen Bezirke mit höheren Steuern über besser ausgestattete Schulen als Lernanstalten in Armutsvierteln. Ganz oben auf der Liste der besten Schulen stehen ohnehin private Häuser, deren Besuch 30 000 Dollar (und mehr) pro Jahr kostet. Kinder von Eltern, die hohe Investitionen in Bildung scheuen, haben schlechte Karten – über alle Hautfarben hinweg.

Dennoch bewegt sich eine Menge, auch in Anacostia: Die Hoffnungen der Afroamerikaner in Washington ruhen ausgerechnet auf den Sicherheitsbehörden. In zwei Jahren will sich das Heimatschutzministerium mit 15 000 Beamten im krisenhaften Stadtteil ansiedeln. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren, und die Grundstückspreise im Viertel schießen in jüngster Zeit in die Höhe. Eine Entwicklung, die nicht zuletzt von den Schulbehörden mit Wohlwollen beobachtet wird. Albert Jamison, der am Mittwoch Obamas Rede am Lincoln-Memorial verfolgen will, zeigt sich versöhnlich: „Wir sind auf unserem Weg weit vorangekommen, aber noch lange nicht am Ziel.“

Immer noch gibt es keine klaren Beweise für einen Giftgas-Einsatz in Syrien. Trotzdem schreiten die Planungen für einen internationalen Militärschlag massiv voran. Angeblich würde eine solche Aktion nur zwei Tage dauern. Das syrische Regime stellt sich bereits auf einen Angriff ein.

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