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Deutschland / Welt 29 Lehrer für acht Schüler
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08:09 29.07.2013
Mit drastischen Parolen wehren sich griechische Lehrer gegen die Entlassungspläne der Regierung. Quelle: rtr
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Athen

Für rund 2000 griechische Lehrer wird das neue Schuljahr im September nicht gut beginnen. Sie gehören zu jenen 25.000 Staatsbediensteten, die in eine sogenannte Mobilitätsreserve überstellt werden. Im Klartext ist das eine Vorstufe zur Entlassung, die neun Monate später droht. Die Stellenstreichungen sind Vorbedingung für weitere Hilfskredite, die Griechenland von der Europäischen Union erwartet. Mit Protestkundgebungen versuchen sich die Lehrer gegen die Kündigungen zu wehren – sie warnen vor einem drohenden Bildungsnotstand. Aber auch der ist kaum zu befürchten. Denn in Griechenland gibt es viel zu viele Lehrer.

Nach den Statistiken der OECD müssen sich in Griechenland im Schnitt 7,5 Schüler einen Lehrer teilen. Zum Vergleich: Deutschland hat mit einer Quote von 14,9 nur halb so viele Lehrer. Das könnte zu der Annahme führen, dass die Klassen in Griechenland kleiner sind, was einen intensiveren Unterricht ermöglichen würde. Sie sind es aber nicht. Mit 22,1 Schüler pro Klasse liegt Griechenland bei den Klassengrößen nur wenig unter dem OECD-Durchschnitt von 23,4 Schülern. Was machen dann die zahlreichen griechischen Lehrer? Sie machen viel Pause.
Während die Lehrer im OECD-Durchschnitt 704 Stunden im Jahr unterrichten, sind es in Griechenland nur 415. Wie der gesamte griechische Staatsdienst, krankt auch das griechische Bildungswesen an Klientel-Unwesen und Korruption. Lehrerstellen wurden in der Vergangenheit meist nicht nach Bedarf der Schulen und Qualifikation der Bewerber vergeben, sondern aufgrund politischer Beziehungen.

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Vor allem in den neunziger Jahren habe die damalige sozialistische Regierung unter dem Druck der Gewerkschaft Tausende Lehrer eingestellt, die eigentlich gar nicht gebraucht wurden, berichten Kenner der Verhältnisse. Das führte zu absurden Zuständen. So gibt es am Gymnasium der kleinen Ägäisinsel Agios Efstratios elf Lehrer, aber nur acht Schüler. Auf der Insel Inousses in der östlichen Ägäis gibt es 16 Gymnasiasten, die von ebenso vielen Lehrern unterrichtet werden. Kein Lehrermangel herrscht auch in der kleinen Ortschaft Skado auf der Insel Naxos: Am örtlichen Gymnasium unterrichten neun Lehrkräfte 13 Schülerinnen und Schüler.

Stellen in entlegenen Landesteilen sind begehrt, weil man als Lehrer eine Zulage kassiert, ohne dort unbedingt unterrichten zu müssen. Man bekommt die Stelle zugeschanzt und wird sogleich versetzt. So gibt es am Gymnasium von Agios Efstratios für die acht Schüler sogar 29 Lehrer-Planstellen. Von ihnen unterrichten 18 an anderen Schulen, auch in Athen. Sie bekommen aber weiterhin den lukrativen Bonus für die aufopferungsvolle Lehrtätigkeit auf der kleinen Insel.

Gerd Höhler

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