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Deutschland / Welt McAllister soll Ministerpräsident in Hannover werden
Nachrichten Politik Deutschland / Welt McAllister soll Ministerpräsident in Hannover werden
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07:35 04.06.2010
Von Klaus Wallbaum
McAllister mit seiner jüngsten Tochter Mia beim Tag der offenen Tür im Landtag im vergangenen Jahr. Quelle: Martin Steiner
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Als Christian Wulff Mitte April seine Regierung umgebildet und vier Minister ausgetauscht hatte, stand David McAllister abseits, wie ein vergessener Schüler an der Bushaltestelle. Wäre es nicht an der Zeit gewesen, auch ihn mit Ministerwürden zu betrauen? Er wollte nicht. Heute zeigt sich, wie weitsichtig McAllisters Nein zum Wechsel ins Kabinett war – denn jetzt steht ihm nach Wulffs Aufstieg zum Staatsoberhaupt der Weg zum Spitzenamt offen, zu dem des Regierungschefs. Und er kann den Rest der Ministerriege unverändert lassen, was er wohl auch tun wird.

McAllister, der 39-jährige Rechtsanwalt aus Bad Bederkesa im Kreis Cuxhaven, ist in den vergangenen Jahren oft unterschätzt worden. Er sei zu nah an Wulffs Seite und wage keine Konflikte mit dem Ministerpräsidenten, hieß es. Das stimmt zwar, aber gerade wegen dieser Eintracht an der Spitze wirkt die Niedersachsen-CDU heute weitaus besser aufgestellt als fast alle anderen CDU-Landesverbände. Der Übergang von Wulff auf McAllister ist reibungslos, weil beide für die gleiche Politik stehen: Mehr Integration von Migranten, keine Verbissenheit in der Atompolitik, Aufgeschlossenheit für Kompromisse in der durch ideologische Dauerfehden geprägten Schulpolitik.

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Aber im Stil sind sie grundverschieden: Wulff ist eher verschlossen und nachdenklich, tritt bedächtig auf und wirkt dabei überlegen. Der volkstümliche McAllister kann leidenschaftlich reden, begeistert seine Anhänger und wird zuweilen ungeduldig, wenn das politische Geschäft zu langsam wird. Für das philosophische Fachgespräch ist er weniger zu haben als für die pragmatische Problemlösung. Das Präsidiale und Landesväterliche fehlt ihm – ähnlich wie seinem Vor-Vorgänger Sigmar Gabriel von der SPD.

Anders als bei Wulff konzentriert sich McAllisters Interesse stark auf die Landespolitik, er liebt Land und Leute, möchte Niedersachsen voranbringen. Es fällt schwer, ihn in der CDU einem politischen Lager zuzuordnen. Als der rechte Rand um Stefan Mappus sich vor Jahren gründete und um seine Mitarbeit warb, gab McAllister diesem Kreis einen Korb – und wird seither dort mit Misstrauen beäugt. Immerhin steht McAllister für die liberale Politik der Wulff-Ära und hat sie stets verteidigt. Beim Thema Integration war es sogar McAllister, der den Ton angab und als erster einen Fach-Arbeitskreis in der Landespartei einrichtete. Wulff vollendete diesen Kurs mit der Berufung von Aygül Özkan zur ersten türkisch-stämmigen Ministerin in Lande.

Das seit Mitte April erneuerte Landeskabinett von Christian Wulff dürfte ohne Änderungen das erste Kabinett von David McAllister werden, denn die damals ausgesuchten Minister passen gut zum neuen Teamchef. Und die Nachfolge für den Vorsitz der CDU-Landtagsfraktion dürfte auch kein Problem werden – der bisherige Fraktionsgeschäftsführer Björn Thümler, ein ruhiger und bedächtiger Mann, der in wirren Situationen einen kühlen Kopf behält, hat sich in der Union ein hohes Ansehen erworben und gilt als Favorit für die Nachfolge von McAllister.

McAllister ist verheiratet und hat zwei kleine Töchter. Die vergangenen hektischen Tage hat er in der Ferne verbracht, auf einer Türkei-Reise der niedersächsischen CDU-Bundestagsabgeordneten. Am Donnerstagabend landete er in Hannover – just zu der Zeit, als die Nachrichtenagenturen schon Wulffs Aufstieg zum Staatsoberhaupt verkündeten. Einen Kommentar zum aktuellen Geschehen wollte der künftige Ministerpräsident noch nicht abgeben. Erst müssten die Entscheidungen fallen.

Wann der Wechsel in Hannover ansteht, hängt nun auch von Wulff selbst ab: Soll das schon kurz nach der Wahl des Bundespräsidenten geschehen, also am 1. Juli, so müsste Wulff schon in den nächsten Tagen seinen Rücktritt als Ministerpräsident ankündigen, damit Landtagspräsident Hermann Dinkla frühzeitig zu einer Sondersitzung des Landtags einladen kann. Damit wird allgemein gerechnet. McAllister würde dann der neunte niedersächsische Ministerpräsident – aber erst der dritte mit CDU-Parteibuch, und der erste mit zwei Staatsbürgerschaften, einer deutschen und einer britischen.