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Deutschland / Welt Mehr DDR-Geschichte im Schulunterricht
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07:14 22.02.2012
Von Klaus Wallbaum
Wer war Erich Honecker? Viele Jugendliche wissen das nicht mehr. Quelle: dpa (Archivbild)
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Hannover

"Es hängt fast immer vom Engagement einzelner Lehrer ab, ob und wie stark im Unterricht darauf eingegangen wird. Das ist mir insgesamt viel zu wenig. Ich möchte, dass die Auseinandersetzung mit der DDR und der SED-Diktatur in den Schulen eine größere Rolle spielt", sagte Jahn. Jahn bot an, sich mit den Kultusministern zusammenzusetzen und über die Neugestaltung der Lehrpläne zu diskutieren: "Wir brauchen Platz für die jüngere deutsche Geschichte in den Lehrplänen, und wir brauchen Freiräume im Unterricht, die zur Vertiefung dienen.

Mit Lehrmaterialen können wir gemeinsam mit der Stiftung Aufarbeitung und der Bundeszentrale für politische Bildung helfen. Es geht nicht nur um die nüchterne Vermittlung von Fakten, sondern um die Lehren für das demokratische Gemeinwesen." Jahn fügte hinzu: "Wenn wir wissen, wie Widerspruchsgeist konsequent unterdrückt wurde, wie zu Anpassung erzogen wurde - dann können wir den Wert einer freien und offenen Diskussion noch besser schätzen. Im Spiegel der Diktatur schärfen wir die Sinne für Freiheit und Demokratie. Sich einmischen, seine Meinung frei äußern ist die Grundlage für eine lebendige Demokratie. Diesen Wert unseres demokratischen Staates kann man neu ermessen, wenn man das Gegenbild, die SED-Diktatur, vor Augen hat."

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Der Stasi-Beauftragte, der am 14. März ein Jahr im Amt ist, will künftig neue Schwerpunkte setzen: "Ich baue auf auf dem, was meine beiden Vorgänger geleistet haben. Mir ist es zudem wichtig, ein Bewusstsein für den Alltag in der Diktatur zu entwickeln. Auch wenn der Einzelne sie nicht immer gespürt hat, es gab eine allgegenwärtige Angst vor unberechenbaren Konsequenzen, wenn man nicht der Parteilinie folgte. Viele Eltern zum Beispiel haben ihre Kinder gebeten, in der Schule angepasst zu bleiben - damit der Beruf des Vaters oder der Mutter nicht gefährdet wird durch das aufmüpfige Verhalten der Kinder. In diesen Situationen hat die Stasi gewirkt - auch dann, wenn sie gar nicht da war. Allein die Angst vor ihr reichte schon. Das sollten wir besser noch verstehen lernen, warum es 40 Jahre lang funktioniert hat."

21.02.2012
20.02.2012