Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Mehr Hilfe für Haiti nötig - Jetzt 150.000 Tote
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Mehr Hilfe für Haiti nötig - Jetzt 150.000 Tote
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:09 26.01.2010
Quelle: afp
Anzeige

Die Zahl der Todesopfer des verheerenden Erdbebens vor zwei Wochen hat sich nach Angaben der haitianischen Regierung in Port-au-Prince auf 150.000 erhöht. Es wurde aber befürchtet, dass die tatsächliche Zahl der Toten um vieles höher liegt.

„Ursprünglich hatten wir mit zwei Millionen Menschen gerechnet, die wir sechs Monate versorgen müssen“, sagte WFP-Chefin Josette Sheeran in New York. „Jetzt gehen wir von mindestens zwölf Monaten aus.“ Das Projekt Haiti sei eine der größten, wenn nicht die größte Herausforderung, vor der das Ernährungsprogramm in 40 Jahren gestanden habe. „Deshalb fordern wir alle Armeen dieser Welt auf, uns ihre irgendwie entbehrlichen Fertigmahlzeiten zur Verfügung zu stellen“, sagte Sheeran.

„Seit Beginn des Notstands hat das WFP etwa 5 Millionen Mahlzeiten an fast 300.000 Menschen verteilt“, sagt Vichi De Marchi, langjährige Mitarbeiterin des WFP, im Gespräch mit der deutschen Presseagentur dpa. Da die meisten Menschen nach dem Jahrhundertbeben keine Möglichkeit mehr haben, ihre Nahrung zu kochen, setzten die Helfer auf nährstoffangereicherte Kekse und Fertiggerichte, die sofort gegessen werden können.

Georg Willeit von SOS Kinderdorf widersprach Berichten, dass viele Waisenkinder durch Port-au-Prince irrten. „Es gibt in der Stadt keine Kinder, die schutzlos in den Straßen herumgeistern“, sagte Willeit. „Die Kinder leben in den Notlagern, wo sie irgendwie mitversorgt werden.“ Viele Kinder haben ihren Vater oder ihre Mutter verloren, sie kommen aber notdürftig und meist nur vorübergehend bei Verwandten oder Nachbarn unter. Diese Kinder aufzuspüren, ist die Aufgabe der internationalen Hilfsorganisationen unter der Koordinierung des Kinderhilfswerkes der Vereinten Nationen UNICEF. Lokale Behörden der Haitianer sind momentan nicht funktionsfähig.

Die Verteilung dringend benötigter Lebensmittel war auch zwei Wochen nach dem Beben immer noch langsam. Dies zu beschleunigen, sei jedoch im Augenblick wegen der angespannten Sicherheitslage unmöglich, sagte der brasilianische Oberstleutnant Fernando Pereyra. „Unser größtes Problem bei der Verteilung von Lebensmitteln ist, dass wir nicht genügend Sicherheitskräfte haben“, fügte der Sprecher der UN-Mission auf Haiti, MINUSTAH, hinzu.

Nach der Haiti-Konferenz im kanadischen Montreal blieb unklar, wie viel Geld die Staatengemeinschaft für den Wiederaufbau des vom Erdbeben zerstörten Haiti aufbringen will. Das Treffen der Außenminister und Repräsentanten von etwa 20 Staaten und Organisationen ging am Montag ohne verbindliche Zusagen zu Ende. Die notwendigen Mittel werden auf bis zu 15 Milliarden Dollar (knapp elf Milliarden Euro) geschätzt. Vereinbart wurde, dass die große Geberkonferenz im März bei den UN in New York stattfindet. Die Regierung Haitis hatte den Bedarf an finanzieller Hilfe für die notleidende Bevölkerung und den Wiederaufbau auf 3 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) beziffert.

Aus den Ruinen weht der Gestank von Tod

Während in den zerstörten Straßen von Port-au-Prince das Leben weitergeht, weht auch zwei Wochen nach dem verheerenden Jahrhundertbeben der Gestank von Tod aus den Ruinen. Unter den Trümmern liegen noch zahllose Leichen. Eine Suchexpertin aus dem Libanon zeigt auf die Reste des Kinderkrankenhauses „Nos Petits Frères et Soeurs“ (Unsere kleinen Brüder und Schwestern) und sagt: „Dort liegen mehr als 300 Kinderleichen. Wir haben drei gefunden, aber keiner will sie bergen. Wer hätte dafür auch jetzt schon Zeit.“ Die Situation könnte sich in den kommenden Wochen noch verschärfen, wenn die Regensaison beginnt und die vielen Flüchtlingslager in schlammige Elendsviertel verwandelt.

Angesichts der großen Ängste vieler Menschen vor Nachbeben berichtete die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen von sehr guten Erfahrungen mit einem aufblasbaren Hospital in Port-au-Prince. Die schrecklichen Erinnerungen an die Zerstörung von Gebäuden während des Erdbebens lösen bei vielen Patienten Furcht aus, wenn sie sich in einem aus Stein gebauten Krankenhaus aufhalten. In dem Spital aus leichter Plane sei das ganz anders, erzählt die Krankenschwester Veronica Chesa. Die Patienten seien entspannter und schliefen auch besser. „Ich konnte auch feststellen, dass weniger nach Beruhigungsmitteln gefragt wird“, zitierte die Organisation Chesa.

Das selbst verarmte mittelamerikanische Land Nicaragua schickte unterdessen die dritte Hilfslieferung nach Haiti. Außerdem werde die Zahl der Mediziner auf 44 erhöht, teilte die Regierung in Managua mit.

dpa

Mehr zum Thema

Das Staraufgebot war gigantisch, und die Spendensumme bricht alle Rekorde: Mehr als 40 Millionen Euro brachte das Benefizkonzert für Haiti ein, an dem fast alle teilnahmen, die Rang und Namen im internationalen Musik- und Filmgeschäft haben.

24.01.2010

Obwohl die Suche nach Überlebenden unter den Trümmern in Haiti nach dem verheerenden Erdbeben offiziell schon beendet war, haben Helfer noch einen jungen Mann retten können. Der Mann, dessen Name mit Richmond angegeben wurde, hatte elf Tage unter den Trümmern des Hotels „Napoli Inn“ gelegen.

24.01.2010

Die Bundesregierung stockt ihre Hilfe für Haiti weiter auf. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagt der „Welt am Sonntag“, sein Haus stelle weitere fünf Millionen Euro bereit, um den zahlreichen Obdachlosen schnell eine Unterkunft bereitzustellen.

23.01.2010