Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Merkel gibt griechischer Regierung eine Chance
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Merkel gibt griechischer Regierung eine Chance
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:12 31.01.2015
Die deutsche Regierung wartet gespannt auf die neuen Reformvorschläge aus Griechenland. Quelle: Symbolfoto (dpa)
Anzeige
Berlin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat trotz der scharfen Töne aus Athen der neuen griechischen Regierung Unterstützung zugesagt. „Wir, also in Deutschland und die anderen europäischen Partner, warten jetzt erst einmal ab, mit welchem Konzept die neue griechische Regierung auf uns zukommen wird“, sagte Merkel dem „Hamburger Abendblatt“ (Samstag). Am Freitag war es in Athen zu einem Eklat zwischen Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem und dem griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis gekommen. Athen werde nicht mehr mit der „Troika“ der Spar-Kontrolleure zusammenarbeiten, erklärte der neue Ressortchef.

Wenn Reformanstrengungen unternommen würden, werde es „auch weiterhin Solidarität für Griechenland“ geben, sagte die wegen des harten Sparkurses bei vielen Griechen unbeliebte Bundeskanzlerin und betonte: „Ich freue mich darauf, die Freundschaft unserer beiden Völker weiter stärken zu können.“ Gleichzeitig sprach sie sich - ebenso wie Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der „Welt“ (Samstag) - erneut gegen einen weiteren Schuldenschnitt aus.

Anzeige

Neue Regierung erarbeitet Reformen

Die neue Links-Rechts-Regierung in Athen bereitet nach dpa-Informationen derzeit Vorschläge für ein eigenes Reformprogramm zur Bewältigung der Schulden- und Wirtschaftskrise des Landes vor. Dies werde alle Seiten zufriedenstellen, hieß es aus Regierungskreisen am Samstag.

Der am vergangenen Sonntag gewählte Ministerpräsident Alexis Tsipras will in der kommenden Woche vor allem südeuropäische Staaten besuchen, um seine Vorschläge zu präsentieren. Tsipras wird am Mittwoch (4.2.) nach Paris zu einem Treffen mit dem französischen Präsidenten François Hollande reisen, wie dpa erfuhr. Finanzminister Varoufakis will dort bereits am Sonntag Gespräche führen. Am Dienstag ist ein Treffen Tsipras' mit dem italienischen Regierungschef Matteo Renzi in Rom geplant.

Der deutsche EU-Kommissar Günter Oettinger (CDU) warf der griechischen Regierung ein „freches und unverschämtes Auftreten“ vor. „Wir dürfen Athen deshalb jetzt nicht abstrafen, aber es hat keine Verbesserung zu erwarten“, sagte Oettinger am Samstag bei der CDU-Veranstaltung im hessischen Künzell. Weitere Unionspolitiker übten scharfe Kritik am Bruch Athens mit der „Troika“ aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds.

SPD will nichts überstürzen

Der Berliner Koalitionspartner SPD warnte vor übereilten Reaktionen: „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Ralf Stegner am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Es gelte, die weiteren Gespräche zwischen Brüssel und Athen abzuwarten. Nach Einschätzung von Linksfraktionschef Gregor Gysi könnten auch andere finanzschwache Länder auf Distanz zum bisherigen Kurs der Euro-Retter gehen. „Die Troika-Politik der Europäischen Union ist gescheitert. Und damit ist Merkel hier gescheitert, denn es ist ihre Politik“, sagte Gysi der dpa.

Als eine erste Maßnahme zum Stopp des bisherigen Sparkurses entließ die Athener Regierung die Führung der griechischen Privatisierungsbehörde. Dies berichtete am Samstag die griechische Presse. Wie dpa aus Kreisen des Finanzministeriums erfuhr, sei ein Verkauf staatlicher Unternehmen künftig nur dann vorgesehen, wenn dadurch tatsächlich neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Privatisierungen sind ein wichtiger Teil des mit den Europartnern vereinbarten Programms - Kredite nur gegen Reformen - für Griechenland. Allerdings blieben das Interesse von Investoren und dementsprechend die Erlöse bisher deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück.

dpa

Mehr zum Thema

Gianis Varoufakis geht auf direkten Konfrontationskurs mit den Euroländern. Griechenland werde künftig nicht mehr mit den Geldgeber-Kontrolleuren der Troika zusammenarbeiten, sagte der neue Finanzminister Gianis Varoufakis am Freitag nach einem Treffen mit Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem in Athen.

30.01.2015

Klare Ansagen im Vorfeld – und beim Termin dann ein freundliches Abtasten. Am Donnerstagnachmittag hat EU-Parlamentspräsident Martin Schulz den neuen griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras besucht. Schulz ist, wie die meisten europäischen Politiker, überrascht von der Geschwindigkeit, in der Tsipras sein Reformprogramm durchsetzen will.

29.01.2015

Als erster ranghoher EU-Politiker wird Martin Schulz, Präsident des Europaparlaments, heute in Athen mit dem neuen griechischen Regierungschef Tsipras zusammentreffen. Im Vorfeld kündigte Schulz klare Worte an. Er habe "keinen Bock ideologische Debatten zu führen", sagt er im ZDF.

29.01.2015
31.01.2015
31.01.2015
Deutschland / Welt Zum Tod des Altbundespräsidenten - Merkel würdigt von Weizsäcker
31.01.2015