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Deutschland / Welt Merkel will deutsche Wirtschaftskraft in Golfregion stärken
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Merkel will deutsche Wirtschaftskraft in Golfregion stärken
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11:06 25.05.2010
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht Station in Masdar City in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Quelle: dpa
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Die deutsche Wirtschaft sollte sich nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stärker in der aufstrebenden Golfregion engagieren. Zwar sei Deutschland der größte Handelspartner der Vereinten Arabischen Emirate (VAE) in Europa, sagte Merkel am Dienstag in Abu Dhabi, der Hauptstadt der VAE. Aber die Konkurrenz sei stark, auch aus Asien. „Deutschland kann diesen Wettbewerb bestehen.“ Ihre bis Donnerstag dauernde Reise durch vier öl- exportierende Golfstaaten diene der Verbesserung und Intensivierung der wirtschaftlichen und politischen Kontakte, sagte die Kanzlerin.

Für die Bundesrepublik bestünden große Chancen im Bereich der Infrastruktur, bei modernen Antriebstechnologien, in der chemischen Industrie und der Gasindustrie. Ferner ergebe sich ein großes Potenzial bei der gemeinsamen Erforschung und Anwendung erneuerbarer Energien. Am Vormittag besuchte die Kanzlerin die geplante weltweit erste Ökostadt. Sie fuhr nach Masdar-City, eine Stadt im Aufbau, die sich bis 2020 komplett durch erneuerbare Energien CO2-neutral versorgen soll. „Das ist ein interessantes Projekt“, sagte Merkel.

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Masdar-City, das rund 20 Kilometer von Stadtzentrum Abu Dhabis entfernt liegt, soll den Status einer Sonderwirtschaftszone erhalten, in der sich rund 1500 Unternehmen im Bereich erneuerbarer Energien aus der ganzen Welt ansiedeln sollen. Abu Dhabi will bis 2015 globaler Marktführer in der Erforschung und Anwendung dieser Ressourcen werden. Die VAE investieren Milliarden von US-Dollar in das Projekt Masdar.

Allerdings wurden nach deutschen Regierungsangaben ursprüngliche Ziele inzwischen wieder eingeschränkt beziehungsweise zeitlich gestreckt. So sei die Eigenversorgung vor allem mit Trinkwasser, die Stromversorgung aller Gebäude durch erneuerbare Energien sowie das unterirdische Transportsystem mit fahrerlosen spurgebundenen Elektrofahrzeugen auf einen Kernbereich reduziert werden. Ein Vertreter des VAE-Unternehmens Masdar sagte, ursprünglich habe das Projekt 2016 abgeschlossen werden sollen. Durch sinkende Mieten im konkurrierenden Dubai habe Abu Dhabi aber unerwartete Abwanderung und Einbußen hinnehmen müssen. Der Direktor für Energie in Masdar, Frank Wouters, warb bei Merkel um Unterstützung. „Es gibt einige Bereiche, wo wir besser werden können.“ Masdar brauche unter anderem Mieter.

Merkel sagte: „Die Botschaft, woran wir noch arbeiten müssen, habe ich wohl aufgenommen.“ Masdar-City sei eine Stadt, die in die Zukunft weist und weltweite Maßstäbe setze. „Wir werden Werbung machen für Masdar-City.“ Merkel weihte nach ihrem Besuch in Masdar die erste nennenswerte Erdgastankstelle in Abu Dhabi ein, an der das Münchner Familienunternehmen Bauer maßgeblich beteiligt ist. Die Kanzlerin sagte: „Die Frage, wie die Mobilität der Zukunft aussehen wird, ist eine der Kernfragen.“

Am Nachmittag wurde Merkel in Dschidda in Saudi-Arabien erwartet. Dort wollte sie die König-Abdullah-Universität für Wissenschaft und Technologie (KAUST) besuchen. Es ist die einzige Universität in dem Wüstenstaat, an der Männer und Frauen gemeinsam studieren dürfen. Am Abend wollte sie der König mit militärischen Ehren empfangen. Am Mittwoch besucht die Katar und am Donnerstag Bahrain.

dpa