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Deutschland / Welt Missklang bei Köhlers Visite in Afghanistan
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Missklang bei Köhlers Visite in Afghanistan
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21:00 24.05.2010
Köhler in Masar-i-Scharif: „Warum höre ich das von nicht von Ihnen?“ Quelle: dpa
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Die Bundeswehr-Soldaten sollten in der Schwierigkeit ihrer Aufgabe ernst genommen werden, ihnen solle Respekt und Anerkennung gezollt werden „für das, was sie leisten, denn sie leisten wirklich Großartiges unter schwierigsten Bedingungen“, sagte Köhler.

Köhler hatte, wie bereits berichtet, am Freitag auf seiner Rückreise von einem China-Besuch einen Zwischenstopp bei den deutschen Truppen in Masar-i-Scharif eingelegt. Es war der erste Besuch eines Bundespräsidenten bei deutschen Truppen im Auslandseinsatz. Der Präsident betonte am Wochenende: „Aus meiner Einschätzung ist es wirklich so: Wir kämpfen dort auch für unsere Sicherheit in Deutschland.“

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Begleitet wurde der Besuch bei den Soldaten jedoch auch von einem Missklang. Nach einem Bericht von „Bild am Sonntag“ zog Köhler in einem Gespräch mit den Soldaten indirekt deren Siegeszuversicht in Zweifel: Er habe einige Soldaten gefragt, wie zuversichtlich sie seien. Auf das Schweigen der Soldaten hin habe Köhler einen neben ihm stehenden US-Presseoffizier gefragt: „What do you think about Afghanistan?“ (Was denken Sie über Afghanistan?). Der Offizier habe geantwortet: „I think we can win this“ (Ich glaube, wir können das gewinnen). Daraufhin habe sich Köhler wieder den deutschen Soldaten zugewandt und gesagt: „Warum höre ich das nicht von Ihnen?“ Der Vorfall habe sich im Feldlager schnell herumgesprochen. Viele Soldaten seien seither enttäuscht und frustriert, dass der Präsident an ihrem Willen zum Erfolg zweifele.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat erneut drastisch vor einem überhasteten Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan gewarnt. „Wenn Afghanistan fällt, kann auch Pakistan fallen – ein Land, das im Besitz von Atomwaffen ist. Ich hätte sehr ungern Atomwaffen in den Händen von Terroristen“, sagte der Verteidigungsminister dem „Hamburger Abendblatt“.

Guttenberg sagte, rein militärisch sei der Krieg oder Kampf gegen den Terror in Afghanistan, in Pakistan oder in afrikanischen Staaten nicht zu gewinnen. Nötig sei aber eine bessere Vernetzung der Nachrichtendienste. „Darüber hinaus müssen wir uns in die Lage versetzen, an der einen oder anderen Stelle international abgestimmt gezielt mit Spezialkräften vorzugehen“, sagte er. „Und natürlich kommt dem zivilen Aufbau eine wachsende Rolle zu.“

afp/dpa