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Deutschland / Welt Motorrad des Buback-Attentats gefunden
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12:22 11.10.2010
Von Wiebke Ramm
Die Suzuki, mit der die RAF das Buback-Attentat verübte, ist in Böblingen aufgetaucht.
Die Suzuki, mit der die RAF das Buback-Attentat verübte, ist in Böblingen aufgetaucht. Quelle: dpa
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Buback sieht in dem Motorrad ein wichtiges Beweismittel im Prozess gegen das ehemalige RAF-Mitglied Verena Becker. Ihr wird vorgeworfen, an dem Attentat auf seinen Vater beteiligt gewesen zu sein.

Lothar P. (Name geändert) hatte die Suzuki mit einem Freund im Jahr 1982 in Stuttgart gekauft. Wie P. der HAZ sagte, sei ihnen damals schnell klar geworden, dass es sich um die „Buback-Maschine“ handelt. Allerdings erfuhren sie erst Ende vergangener Woche, dass das Motorrad als verschwunden galt. P. meldete sich daraufhin am Freitag bei Buback. „Ich freue mich, bei der Wahrheitsfindung behilflich zu sein“, sagte P.

Von der Suzuki aus wurden am 7. April 1977 die Todesschüsse auf den Generalbundesanwalt, seinen Fahrer und einen Justizbeamten abgegeben. Mindestens 15-mal feuerte ein RAF-Mitglied vom Sozius des Motorrads aus auf die drei Männer. Michael Buback ist überzeugt, dass es Verena Becker war, die geschossen hat.

Noch am vergangenen Donnerstag hatte ein Ermittler des Bundeskriminalamtes im Prozess gegen Becker vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim bestätigt, dass das Motorrad und auch das Fluchtauto aus der Asservatenkammer verschwunden seien. Es gebe keine Aktennotiz über ihren Verbleib.

Die Bundesanwaltschaft widersprach gestern den Eindruck einer Polizeipanne. Die „Freigabe des Motorrads“ sei erfolgt, „weil es als Beweismittel nicht mehr benötigt wurde“. Ob das Motorrad heute noch neue Erkenntnisse bringen wird, ist umstritten. Es ist in den Jahren auseinander-, wieder zusammengeschraubt und umlackiert worden.

„DNA verdirbt nicht“, sagte Ulrich Endres, Anwalt von Nebenkläger Michael Buback, der HAZ. Er forderte, das Motorrad erneut kriminaltechnisch zu untersuchen. Sollte Verena Becker die Maschine etwa mit schweißnassen Händen berührt haben, ließen sich, so Endres, noch heute Spuren sichern. „Die Chancen sind da“, sagte auch Michael Buback: „Man muss es probieren.“ Beckers Verteidiger, Hans Wolfgang Euler, hingegen sagte: „Es ist nicht zu erwarten, dass nach so langer Zeit noch brauchbare Spuren an der Maschine zu finden sind.“So sah es auch die Bundesanwaltschaft: „Die Forensik heute kann sehr viel, aber nach 33 Jahren noch DNA zu finden, ist fast ausgeschlossen.“

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