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Deutschland / Welt Mubarak zu Checkup nach Deutschland? - Proteste dauern an
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Mubarak zu Checkup nach Deutschland? - Proteste dauern an
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11:07 05.02.2011
Nach einem Bericht der „New York Times“ gibt es Überlegungen, Mubarak zu einer medizinischen Untersuchung nach Deutschland ausfliegen zu lassen.
Nach einem Bericht der „New York Times“ gibt es Überlegungen, Mubarak zu einer medizinischen Untersuchung nach Deutschland ausfliegen zu lassen. Quelle: dpa
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Für Ägyptens Präsidenten Husni Mubarak wird es immer enger. Auch in seiner engsten Umgebung wächst der Druck auf den Herrscher vom Nil. Gesucht wird nach einem Weg, ihm einen würdigen Abgang zu ermöglichen. Am Samstag gingen die Proteste auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo weiter.

Nach einem Bericht der „New York Times“ gibt es Überlegungen, Mubarak zu einer medizinischen Untersuchung nach Deutschland ausfliegen zu lassen. Dies sei Teil von Planungen der Führung um Vizepräsident Omar Suleiman, Mubarak einen würdigen Ausweg aus der Krise aufzuzeigen. Er würde demnach zu seinem üblichen Gesundheits-Checkup nach Deutschland fliegen und diesmal länger bleiben. Eine Bestätigung für solche Pläne gab es zunächst nicht.

Eine andere Variante sei, dass der Präsident sich in sein Ferienhaus im Badeort Scharm el Scheich zurückziehe, schrieb die „New York Times“ am Samstag weiter. Sie berief sich dabei auf ungenannte US-Regierungsmitarbeiter. Ziel sei, dass Mubarak den Präsidentenpalast verlasse, aber nicht seines Amtes enthoben werden müsse.

Diese Überlegungen seien ein Teil von Plänen Suleimans und Teilen der militärischen Führung, den Einfluss Mubaraks zu begrenzen und gleichzeitig mit der Bildung einer Übergangsregierung unter Einbindung der Opposition zu beginnen. Sie könnte von Suleiman geführt werden. Eine Vorbedingung der Opposition für Gespräche mit Suleiman ist jedoch, dass Mubarak seine Amtsgeschäfte aufgeben muss.

Auch am Samstag protestierten nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira weiter Tausende Regimegegner auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo. Es sei aber „sehr ruhig“, sagte der Korrespondent. Die Regimekritiker hatten am Freitagabend bekräftigt, nicht aufgeben zu wollen, bevor Mubarak aus dem Amt gejagt sei.

Unterdessen wurde die nächtliche Ausgangssperre gelockert. Künftig gelte sie von 19 Uhr Ortszeit bis 6 Uhr morgens (18 Uhr bis 5 Uhr MEZ), meldete Al-Dschasira unter Berufung auf das staatliche ägyptische Fernsehen. Das sind drei Stunden weniger als bisher.

US-Präsident Barack Obama forderte Mubarak auf, sich nicht dem Willen der Bevölkerung zu verweigern. Er habe bislang zweimal mit Mubarak gesprochen, sagte Obama am Freitag in Washington. Dabei habe er ihm nahegelegt, „darauf zu hören, was das ägyptische Volk vorbringt, und (...) ein Urteil zu fällen“. Der ägyptische Präsident müsse sich vor allem fragen, wie er den politischen Übergang „effektiv, dauerhaft und legitim“ gestalten wolle. Mubarak lehnt einen sofortigen Rücktritt bisher ab.

Im Norden der ägyptischen Halbinsel Sinai wurde offenbar ein Anschlag auf eine nach Israel führende Gaspipeline verübt. Nach ersten Angaben entstand kein größerer Schaden. „Saboteure haben sich die instabile Sicherheitslage zunutze gemacht“, meldete das staatliche ägyptische Fernsehen am Samstag. Augenzeugen in der Provinzhauptstadt Al-Arisch berichteten von einer Explosion und von Flammen, die zu sehen gewesen seien. Ägypten beliefert Israel mit Erdgas aus ägyptischer Produktion. In der Bevölkerung gibt es Widerstand gegen das entsprechende Abkommen mit Israel.

dpa

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